Willkommen in Night Vale von J. Fink und J. Cranor

Der Roman Willkommen in Night Vale entstand aus einer äußerst erfolgreichen Podcast-Produktion von Joseph Fink und Jeffrey Cranor. Die Autoren hatten bereits 40 Folgen veröffentlicht, als sie sich zu dem Buchprojekt entschlossen. Sie hätten das nicht tun müssen. Sie haben es aber getan. Und das ist gut so. Andernfalls wäre mir eine Menge Lesefreude entgangen. Sicher? Ganz sicher.

Eigener Sprachstil

Willkommen in Night Vale zeichnet sich neben der fantastischen Story durch einen sehr eigenwilligen Sprachstil aus. Im Teaser habe ich ihn bereits angedeutet: Kurze Sätze. Sie ziehen sich zwar nicht durch das ganze Buch, tauchen aber immer wieder als Stilmittel auf. Mithilfe dieser kurzen Sätze bedienen sich die Autoren inhaltlich gern retardierender Gedankengänge, wie zum Beispiel: Die Stadt ist nicht groß. Sie ist nicht klein. Jeder andere Autor hätte hier natürlich von einer mittelgroßen Stadt geschrieben. Aber Joseph Fink und Jeffrey Cranor haben ihren ganz eigenen Stil, mit dem sie an vielen Stellen auch Humor transportieren.

Unvergessliche Charaktere

Die Geschichte Willkommen in Night Vale beginnt im Pfandhaus von Jackie Fierro. Diese Figur werde ich nie mehr vergessen, denn ihr Angebot an jeden Kunden und für jeden Gegenstand lautet: „ Elf Dollar.“ Bevor sie das sagt, legt sie allerdings die Füße auf den Tresen und lehnt sich zurück. So macht sie das immer. Nicht nur manchmal. Bis zu dem Tag, als der Mann mit dem hellbraunen Jackett und einem Hirschlederkoffer das Pfandhaus betritt und sich erst als Everett vorstellt, dann sagt, er heiße Emmett und sich schließlich als Elliott verabschiedet.

Schräge Story

Auf ihr Standardangebot von elf Dollar reagiert dieser Mann erst gar nicht. Was sie dazu treibt, ihm dreißig Dollar zu bieten, weiß sie selbst nicht. Jedenfalls erhält sie dafür einen Papierstreifen, auf dem in Großbuchstaben „KING CITY“ steht. Jackie kannte bisher keine Angst. Aber nun beschleicht sie ein komisches Gefühl. Vielleicht ist es Angst. Diesen Papierstreifen wird sie nämlich nicht mehr los. Sie legt ihn in die Schublade des Schreibtischs, aber dann ist er wieder in ihrer Hand. Sie schmeißt ihn weg, aber dann hält sie ihn wieder in der Hand. Und so geht es weiter, egal, was sie damit anstellt.

Auf der Suche nach KING CITY

Jackie Fierro bleibt also nichts anderes übrig, als es mit KING CITY aufzunehmen. Gemeinsam mit Diane Crayton, die sie gar nicht mag, bis sie sie mag, macht sie sich auf die Suche nach diesem Ort, von dem keiner weiß, wo er ist. Klar, eine Busverbindung gibt es natürlich – Amerika ist ein Land, wo Busse überallhin fahren. Aber dieser Bus bringt halt nicht jeden nach KING CITY. Es beginnt eine extrem schräge Suche nach dem Geheimnis dieses Zettels, von dem sich Jackie Fierro sehnlichst wünscht, sie hätte ihn nie angenommen.

Willkommen in Night Vale

Alle paar Kapitel meldet sich Cecil, die Stimme von Night Vale zu Wort und fungiert als eine Art Kommentator des Geschehens. Aber er kommentiert das Geschehen eigentlich nicht. Vielleicht aber doch. Zusammenfassen lässt die Story sich Willkommen in Night Vale nur schwer, so vielfältig ist ihr Gesicht, so eigen der dortige Lebensstil. Da hilft nur eins: Das Buch selbst lesen.

Kreative Schreibtechniken

Willkommen in Night Vale ist ein Feuerwerk an Kreativität. Die Techniken des Kreativen Schreibens bereichern die Autoren Joseph Fink und Jeffrey Cranor um ihren eigenen Stil:

„…….. Da ist dieses Haus. Es ist nicht anders als andere Häuser. Also, stellen Sie sich ein Haus vor.

Andererseits ist es ganz anders als andere Häuser. Stellen Sie sich dieses Haus also noch einmal vor.

Abgesehen davon, dass es zugleich anders und nicht anders als andere Häuser ist, ist es genau wie alle anderen Häuser.

Hinsichtlich seiner Form ist es nicht anders als andere Häuser. Es hat eine hausähnliche Form. Würde man Leuten ein Bild von ihm zeigen, würden sie sagen, dass es sich definitiv um ein Haus handelt.

Andererseits ist es hinsichtlich seiner Form auch ganz anders als andere Häuser. Es hat eine geringfügig andere Form. Es handelt sich definitiv um ein Haus, aber es ist noch etwas anderes, etwas Schönes an diesem Haus, würden die Leute vielleicht sagen, wenn man ihnen ein Bild zeigen würde. „Ich weiß nicht, ob schön das richtige Wort ist. Es ist mehr wie……wie…. Genau genommen nervt es mich jetzt. Hören Sie bitte auf, mir dieses Bild zu zeigen. Bitte“, würden genau diese Leute wenig später flehen. „Es ist eine schreckliche, schreckliche Schönheit, die ich nicht verstehe. Bitte aufhören.“ ……..“

(Zitat aus Willkommen in Night Vale von Joseph Fink und Jeffrey Cranor)

Der Schreibstil von Willkommen in Night Vale ist eine ständige Provokation der Lesegewohnheiten. Wie ein Boxer schleichen die Autoren sprachlich um das Ziel herum und regen damit die eigene Fantasie und Vorstellungskraft des Lesers an. Willkommen in Night Vale ist für mich tatsächlich das, was mit dem Zitat von Patrick Rothfuss draufsteht: „Möglicherweise das beste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.“

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Link zur Website von Willkommen in Night Vale

Und so ist dieses Projekt entstanden:

An einer Zusammenfassung von Willkommen in Night Vale hat sich Denis Schenk in Druckfrisch versucht:

Hier die Stimme von Cecil – ein Eindruck von Night Vale:

 

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