Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr von Michel Birbaek

Wenn das Leben ein Strand ist, sind die Frauen das Mehr von Michel Birbaek erzählt keine Urlaubsgeschichte. Es geht auch nicht wirklich um Frauen und schon gar nicht um mehr. Auch das Leben als solches ist nicht Thema dieses Buches von Michel Birbaek. Drängt sich die Frage auf, welche Geschichte das Buch dann wohl erzählt. So, und jetzt muss ich aufpassen, was ich schreibe. Denn erstens mag der Autor keine negative Kritik – Michel Birbaek ist sehr sensibel, wie er auf seiner Website verrät – und zweitens will ich ja auch die vielen begeisterten Leserinnen nicht vor den Kopf schlagen. Also behaupte ich mal, es ist eine Geschichte, die hinter die Kulissen des Fernsehfilmgeschehens blicken lässt.

3 bis 5+ F’s

Denn der Protagonist Vic ist Drehbuchautor. Genau wie der Erfinder dieser Figur, also der Autor Michel Birbaek höchstselbst. Beide sind in ihrem Metier ausgesprochen erfolgreich und schreiben für die in Köln ansässigen Produktionsfirmen ihre Zeilen. In wie weit der Rest dieser Figur Vic mit dem Autor übereinstimmt, lässt sich nur befürchten. Ich gehe einfach mal davon aus, Michel Birbaek ist professionell genug, um ein erzählerisches Ich zu entwickeln, das höchstens ansatzweise etwas mit ihm selbst zu tun hat. Denn das Leben des Vics reduziert sich auf diese 3 bis 5+ F’s: feiern, ficken, fernsehen. Insofern hätte man ihn auch gleich Fick nennen können. Die 5+ bestehen dann noch aus faulenzen, fressen und wenigen anderen Tätigkeiten, für die man sicher auch ein Wort mit F finden kann.

Saufutter

Jedoch besteht nicht nur Vics Leben aus diesen Inhalten, nein, das Leben absolut jeder der Figuren in diesem Buch besteht daraus. Mich persönlich wundert das und ich komme schließlich auf die Idee, diese auf den Kern reduzierte Lebensweise mag an der Gemeinsamkeit liegen, dass alle Figuren im Fernsehbiz ihr Unwesen treiben. Da ist diese famose Schauspielerin Grace, die Vic von allen Frauen am liebsten fickt. Und dann ist da diese Buddy, mit der er gemeinsam tolle Drehbücher schreibt und die ausschließlich anzügliche Sprüche verteilt. Dabei ist sie so vulgär wie ihr fettes Auto, mit dem sie klischeemäßig durch Köln jagt. Und dann dieser Niels, Vics bester Freund, von-dem-ich-gar-nicht-erst-anfangen-will. Das einzig Gelungene an ihm ist, dass er ein Handtelefon statt eines Handys benutzt. Charaktere erschaffen, das kann Michel Birbaek, auch wenn er aus meiner Sicht sein Talent für Saufutter einsetzt.

Vielsagend kennenlernen

Aber auch Randfiguren der Fernsehwelt gibt es. Patrizia nämlich ist DJ und hat eine kleine Tochter, die Yasna heißt. Diese Kleine schafft der Autor Michel Birbaek in die Geschichte rein, um Vic wirklich sympathisch zu machen. Und zwar für alle Leser, einschließlich mich. Hier muss natürlich mir stehen, aber solche Fehler geschehen eben in diesem Buch des Lübbe Verlags. Eine schnodderige Lektoratsleistung übrigens, die es noch nichtmals geschafft hat, ständig wiederkehrende Rechtschreibfehler auszumerzen. Von die Grammatik mal ganz schweigen. Wirklich viel sagend, besonders im Hinblick auf die vermutliche Qualität der Schreibkurse, die der Verlag seit einiger Zeit anbietet. Ob man die wirklich kennen lernen muss?

Ein Hauch von Unschuld

Jedenfalls ist Patrizia eine mit langen Dreadlocks, die immer nur funkelt, statt jemanden anzusehen. Interessant. Ihre Tochter Yasna ist ein Oink! und so weit sehr süß, sie ist ja auch in dem süßen Alter. Und dieser Vic, tja, der liebt Yasna. Wenn er sein Ding nirgends reinstecken will oder kann, dann schleicht er sich in Yasnas Bett, zieht sich aus und kuschelt sich an sie, bevor er einschläft. So mancher Politiker würde hier seinen Hut nehmen müssen, als Autor kann man das unschuldig verpacken, zum Beispiel, indem der Held dann mit dieser Yasna auch – vor aller prüfenden Augen – ganz Unschuldiges auf dem Kinderspielplatz treibt.

Das Zitat

Ach je, ich sollte hier wirklich aufhören, denn ich schrieb ja bereits, den Autor Michel Birbaek will ich nicht verletzen, die Leserinnen nicht aufschrecken. Aber bekanntermaßen bestehen die Rezensionen der Schreibakademie ja immer auch aus einem Zitat aus dem Buch. Ich schlage mal einfach wahllos auf und finde:

„…..

„He-hab-ich-dir-erzählt-wie-meiner-Hauptdarstellerin-die-Brust-geplatzt-ist?“

Ich seufze. Er nickt euphorisch.

„Wir-drehen-die-letzte-Szene-im-Auto-und-als-der-Gurt-greift-macht-es-ein-komisches-Geräusch-und-schon-hängt-sie-links-wo-sie-rechts-noch-schwebt.Durch-den-Aufprall-hat-der-Gurt-ihr-Implantat-verrutscht-sollten-echt-mehr-testen-bevor-sie-so-was-einbauen.

Er lacht.

„Wahnsinn“, sage ich.

[…..]

Er lacht fett, stößt seine Flasche gegen meine und hält das hier wahrscheinlich für eine gute Unterhaltung. Und schon muss ich an eine Nacht denken, als Grace zugekokst von einer Party kam. In dieser Nacht waren wir das, was wir sonst nie waren: ein seelenloser Fick. Am nächsten Morgen haben wir es wieder gutgemacht und beschlossen, nur noch auf Drogen zu sexen, wenn wir beide dieselbe genommen hätten. Diese Regel sollte ich für Treffen mit Freunden vielleicht auch langsam in Betracht ziehen.

Er setzt die Flasche ab und rülpst.

…..“

(Zitat aus Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr von Michel Birbaek)

Kreative Schreibtechniken

In diesem Zitat können Sie sich selbst vom Schreibstil dieses Buches überzeugen. Weiter oben vergaß ich die Lebensweisheiten zu erwähnen, die Vic immer mal wieder kommen, wenn er nicht gerade einen Orgasmus hat oder macht. Kreative Schreibtechniken sucht man bisweilen vergeblich in Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr. Es sei denn, man zählt Running Gags oder Trendwörter auch dazu – davon gibt es in diesem Buch reichlich. Rein technisch betrachtet sind die Charaktere gelungen und die Dialoge okay. Auch der Handlungsaufbau funzt, Happyend inklusive. Aber was hilft eine gute Verpackung, wenn der Inhalt völlig verfickt daherkommt, stellenweise nach Kotze stinkt und in Drogen jeder Art ersäuft? Für mich ist Wenn das Leben ein Strand ist, sind die Frauen das Mehr wie eine schlechte Soap der privaten Fernsehsender. Wobei ich wirklich hoffe, Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig, wie der Autor es versichert.

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Zur Website von Michel Birbaek

 

 

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