The Girls von Emma Cline

Emma Cline präsentiert mit 26 Jahren ihr Romandebut The Girls und bessert damit ihr Konto erheblich auf. Sie war der große Hype der der Frankfurter Buchmesse, zwölf Verlage rangelten um die Rechte. Für Emma Cline sprang schließlich ein siebenstelliger Betrag raus – als Vorschuss wohlgemerkt. Ob es eine oder zwei Millionen waren, weiß keiner so genau. Jedenfalls ein schönes Sümmchen dafür, dass die junge Autorin bisher erst drei Geschichten veröffentlicht hat. Was ist dran an The Girls, das will ich natürlich wissen.

Eine lange Rückblende

Die Protagonistin Evie Boyd erzählt in The Girls von ihrem Erwachsenwerden. Sie ist vierzehn, lebt in einem staubigen Kaff in der Nähe von San Francisco und ist anders als die Mädchen ihres Alters. Sie erzählt ihre Geschichte rückblickend, lässt die Erinnerungen als erwachsene Frau an das Jahr 1669 wieder lebendig werden. Anlass dafür ist die Begegnung mit drei jungen Menschen in dem Haus ihres Freundes, in dem sie – mittellos – ein Dach über dem Kopf findet.

Manson heißt Russell

In ihrer Jugend gerät Evie Boyd in eine Hippie-Gemeinschaft, die sich um den charismatischen Russell gruppiert. Schuld daran ist Suzanne, eine seiner Anhängerinnen, die Evie kennenlernt und zu der sie sich stark hingezogen fühlt. Daraus entwickelt sich die Geschichte, die sich an die wahren Ereignisse um Charles Manson anlehnt. Der hatte seinerzeit mehrere Mädchen zu einem Mord getrieben – das Gleiche passiert auch in The Girls, nur dass der Hippie-Guru hier Russell heißt.

The Girls bleiben rätselhaft

Warum die Mädchen diesen Mord verüben, erschließt sich mir jedoch leider nicht, wobei genau das ja das Interessante an einer Geschichte wäre, die sich die vergangenen Ereignisse vornimmt. Emma Cline dringt zu diesem Punkt leider nicht vor, was mich nicht wundert. Wie soll eine heute Mittzwanzigerin auch den Zugang zur damaligen Hippiekultur finden? Mit dem Smartphone in der Hand etwa? Durch die Recherche mit Google? Der heutige Zeitgeist und das damalige Weltbild liegen so weit auseinander, wie die Erde und der Saturn. Logisch also, dass The Girls im Bereich der spekulativen Interpretation bleibt.

Pubertät sehr speziell

Insofern dominieren in The Girls die Konflikte, die Evie Boyd in ihrer Pubertät durchlebt. Diese jedoch sind spezieller Natur und nur teilweise symptomatisch für diese Lebensphase. Zum Glück werfen sich nur die wenigsten Menschen in diesem Alter jegliche Art von Drogen so kopflos ein, wie Evie Boyd es tut. Und auch ihre sexuellen Empfindungen und Erlebnisse stellen eher extreme Einzelfälle dar, als für junge Frauen insgesamt zu stehen. All das macht den Charakter der Evie Boyd in The Girls schwer zugänglich, für mich bleibt die Figur diffus und daher nicht überzeugend.

Düster bis finster

Insgesamt ist Evie Boyd eine Loserin, eine Antiheldin, die ihr Leben weder als Jugendliche noch als erwachsene Frau auf die Kette kriegt. Die Stimmung in The Girls ist durchweg düster, mitunter auch tiefschwarz. Nichts also, was die Seele des Lesers erheitern könnte. Emma Cline bedient sich in The Girls einer ungeschmückten Sprache, um die zahlreichen Gedankensprünge ihrer Heldin in Worte zu fassen. Bereits auf den ersten Seiten frage ich mich, wie ein junges Mädchen wo schreiben kann: altklug, kompliziert und im negativen Sinne komplex weil ausschweifend.

„…… Mir war neu, dass man jemand Berühmten behandeln konnte, als wäre er nichts Besonderes, dass man sehen konnte, dass er enttäuschend und spießig war, oder dass einem auffallen konnte, dass seine Küche nach Abfall roch, der nicht hinausgebracht worden war. Die helleren Vierecke an der Wand, wo einmal Fotos gehangen hatten, die an der Fußleiste gelehnten, noch in Plastik eingeschweißten goldenen Schallplatten. Suzanne verhielt sich, als käme es eigentlich nur auf sie und mich an und als wäre das alles ein kleines Spiel, das wir mit Mitch spielten. Er war der Hintergrund zu der umfassenden Geschichte, die unsere Geschichte war, und wir bemitleideten ihn und waren ihm zugleich dankbar dafür, wie er sich für unser Vergnügen opferte. ……“

(Zitat aus Emma Cline The Girls)

Kreative Schreibtechniken

Die Autorin Emma Cline hat es wenig mit der Kreativität, was mich wundert, hat sie doch Kunst studiert. Außer ein paar Vergleichen, ist in The Girls nicht viel zu finden, das Vorbild für einen kreativen Schreibstil sein könnte. Die Figuren bleiben diffus, die Handlung letztendlich nicht schlüssig. Einzig der Spannungsbogen ist durch einen einfachen Trick gelungen: Den Höhepunkt von The Girls – die Mordnacht – nimmt die Autorin Emma Cline bereits am Anfang durch Andeutungen vorweg. Das war der eigentliche Grund, warum ich das Buch bis zu Ende las. Ansonsten ist The Girls vielleicht ein super Beispiel einer erheblichen Fehlinvestition seitens des Verlags.

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