Heute koch ich, morgen brat ich von Stevan Paul

Heute koch ich, morgen brat ich trägt den Untertitel Märchenhafte Rezepte und folgt damit einem ungewöhnlichen Konzept. Das Kochbuch ist ein Gemeinschaftswerk von Stevan Paul (Koch und mehr), Daniela Haug (Fotografin), Tanja Trific (Styling) und Anja Laukemper (Grafik und Konzept). Alle gemeinsam packen ihren Zauberstab aus und verwandeln die schnöde deutsche Küche in ein Märchenschloss, aus dem zauberhafte Gerichte den Töpfen und Pfannen entsteigen.

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Swamplandia von Karen Russell

Swamplandia ist eine Touristenattraktion auf einer kleinen Sumpfinsel im amerikanischen Bundesstaat Florida. Diesen Ort hat die Autorin Karen Russell als Setting für ihren ersten Roman ausgewählt. Ob er wirklich existiert oder frei erfunden ist, lässt sich nur erraten. Swamplandia gehört der Familie Bigtree. Angeführt vom Vater, den alle den Chief nennen, lockt dieser Park über viele Jahre reichlich Touristen an. Sie kommen, um die Alligator-Show zu sehen, deren Protagonistin die Mutter, Hilola Bigtree, ist. Sie stürzt sich Abend für Abend in das Becken, in dem es von Alligatoren jeder Größe nur so wimmelt. Bis sie im Alter von 37 Jahren auf tragische Weise verstirbt.

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Der Untergang Barcelonas von Albert Sánchez Piñol

Den neuen Roman von Albert Sánchez Piñol Der Untergang Barcelonas habe ich mit Spannung erwartet. Mit seinem  Buch Pandora im Kongo hat er bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ist es doch ein ausgesprochen lesenswertes Werk, nicht nur im Hinblick auf den Einsatz kreativer Schreibtechniken. Insofern hatte ich erwartet, der Autor würde die spanische Geschichte mit ähnlicher Kunstfertigkeit bearbeiten und einen historischen Roman der Weltklasse hinschmettern.

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Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki ist der erste Roman von Haruki Murakami, der mir in die Hände fällt. Bisher sah ich es als Leselücke an, noch kein Buch dieses famosen japanischen Schriftstellers gelesen zu haben. Die Gestaltung des Covers ist gleichzeitig schrill und altmodisch mit dem Hartplastikeinband, der dem schwarzweißen Buchdeckel seine Farbe verleiht. Eine hübsche Umweltsünde, die der Dumont Verlag 2014 begeht. Und natürlich eine direkte Anspielung an den farblosen Herrn Tazaki, den ich auf den folgenden Seiten kennenlerne.

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Hart auf hart von T.C. Boyle

Hart auf hart von T.C. Boyle lese ich sicherheitshalber zwei Mal hintereinander, bevor ich diese Rezension verfasse. Es kommt öfter vor, dass ich nach dem letzten Satz eines Boylschen Werkes gleich mit dem ersten wieder anfange. Bisher geschah das aber immer aus reiner Begeisterung für den jeweiligen Roman. Bei Hart auf hart gibt es dafür einen anderen Grund: Ratlosigkeit. Das neue Buch von T.C. Boyle ist für mich nicht rund.

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Das geraubte Leben des Waisen Jun Do von Adam Johnson

Das geraubte Leben des Waisen Jun Do ist endlich mal ein Buch, das mir gewidmet ist! Also zumindest einer meiner Namensschwestern. Zum Glück, kann ich nur sagen, denn ohne diese Widmung hätte ich es wahrscheinlich viel zu schnell weggelegt. Dieses dicke Werk von Adam Johnson hat mich erst nach gut der Hälfte für sich eingenommen. Und mit der letzten Seite komme ich zu dem Schluss, es ist ein monumentales Werk, das der Autor da geschaffen hat. Nach diesem Roman lesen sich die Nachrichten zu Nordkorea oder zum derzeitigen Diktator Kim Jong Un doch ganz anders.

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Ein Mann von Welt von Antoine Wilson

Ehrlich gesagt habe ich von Ein Mann von Welt nicht viel erwartet. Der Zufallsgriff in meine Bücherkiste brachte es hervor und so geriet es vor meine Nase. Teil eins beginnt mit Kassette 1, Seite a & b. Es handelt sich also um die Abschrift einer Tonbandaufzeichnung. Anders wäre es auch nicht gegangen, denn der Protagonist Oppen Porter liegt bis zum Hals eingegipst im Krankenhausbett und wird noch vor Morgengrauen sterben, seine Worte. Vorher hat er jedoch seinem Sohn Juan-George noch einiges mitzuteilen. Juan-George allerdings ist noch gar nicht geboren, sondern schwimmt noch im Bauch seiner Mutter Carmen, die am Krankenbett wacht.

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Stoner von John Williams

Am plötzlichen Erfolg seines Romans Stoner kann John Williams sich nicht mehr erfreuen, denn der Autor starb bereits im März 1994. Posthum erklimmt Stoner die aktuellen Bestsellerlisten und ist damit eines der gelegentlich auftretenden Beispiele für Bücher, die ihrer Zeit voraus waren, verkannt wurden oder eben einfach etwas länger auf die begeisterten Leser warten mussten. Letzteres scheint mir bei Stoner zuzutreffen.

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Paris / Ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway

Paris in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Ach hätte ich doch da gelebt! Mein Dasein als Schriftstellerin wäre um so vieles lebendiger, umtriebiger, interessanter, spannender und eben einfach netter. Okay, ich hätte im Winter sicher mehr gefroren. Das jedoch scheint der einzige Nachteil gewesen zu sein, den das damalige Leben als Schriftsteller in Paris mit sich brachte. Laut Hemingway jedenfalls. Seine damaligen Aufzeichnungen hat er in diesem letzten seiner Bücher verwortet. Sie lagerten im Keller des Hotel Ritz, in dem er gerne mal zu Abend aß. Überhaupt offenbart sich in diesen Aufzeichnungen die wahre Leidenschaft des Autors – neben dem Schreiben natürlich.

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Ein ganzes Leben von Robert Seethaler

Ein ganzes Leben erzählt  Robert Seethaler auf 150 Seiten. Würde der Zeilenabstand nicht ungewohnt groß ausfallen, wäre er wahrscheinlich mit der Hälfte der Seiten ausgekommen, um die Geschichte von Andreas Egger aufzuschreiben. Sie mag in Österreich spielen, die Landschaft und die Namen der Charaktere weisen darauf hin. Robert Seethaler selbst gibt dem Leser keine Ortsnamen an die Hand, vielleicht war dafür kein Platz mehr. Überhaupt ist der Autor ein Freund weniger Worte, die er dafür umso präziser verwendet.

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