Swamplandia von Karen Russell

Swamplandia ist eine Touristenattraktion auf einer kleinen Sumpfinsel im amerikanischen Bundesstaat Florida. Diesen Ort hat die Autorin Karen Russell als Setting für ihren ersten Roman ausgewählt. Ob er wirklich existiert oder frei erfunden ist, lässt sich nur erraten. Swamplandia gehört der Familie Bigtree. Angeführt vom Vater, den alle den Chief nennen, lockt dieser Park über viele Jahre reichlich Touristen an. Sie kommen, um die Alligator-Show zu sehen, deren Protagonistin die Mutter, Hilola Bigtree, ist. Sie stürzt sich Abend für Abend in das Becken, in dem es von Alligatoren jeder Größe nur so wimmelt. Bis sie im Alter von 37 Jahren auf tragische Weise verstirbt.

 Ringen mit Alligatoren

 Allerdings sind dafür keineswegs die Alligatoren verantwortlich. Diese gefährlichen Wesen können einer Hilola Bigtree nichts anhaben. Sie versteht ihr Handwerk und gilt als eine der weltweit besten Alligatoren-Ringerin. Der Grund ihres Todes ist ein wucherndes Krebsgeschwür, das sie innerhalb weniger Wochen sterben lässt. Zurück bleiben ihr Sohn Kiwi und ihre Töchter Osceola und Ava. Letztere ist die jüngste der Geschwister und die einzige, die den Kampf mit den Alligatoren von ihrer Mutter gelernt hat.

Swamplandias Abstieg

Ohne Hilola ist Swamplandia nicht mehr das, was es einmal war. Das spürt die ganze Familie Bigtree an vielen Stellen und sehr schmerzhaft. Es dauert nicht lange, dann bemerken auch die Touristen die Veränderungen: Nicht nur die Show fehlt, auch über die schrittweise Verwahrlosung kann man nicht mehr hinwegblicken. Das Bigtree-Museum verstaubt, das Sumpfcafé verschmuddelt. Und dann eröffnet auch noch die Welt der Finsternis auf dem nahe gelegenen Festland, direkt neben der Fähre nach Swamplandia.

Vom Winde verstreut

Diese Konkurrenz versetzt dem Familienunternehmen der Bigtrees den Todesstoß. Die Familie zerstreut sich: Kiwi sucht sich einen Job auf in Loomis County und landet prompt in der Welt der Finsternis. Aber das nimmt er in Kauf, um das notwendige Geld zu verdienen, das Swamplandia retten soll. Auch der Chief verschwindet, wohin weiß keiner genau, und zurück bleiben Ossi und die kleine Ava.

Der Vogelmann kommt

Die Zwei machen zunächst das Beste aus ihrem plötzlich so einsamen Dasein. Touristen kommen nun gar keine mehr. Ossi verbringt ihre Zeit mit dem Buch Der Spiritistische Telegraph, über den sie schließlich ihr Herz an Louis Thanksgiving verliert und seinem Geist in die gefährlichen Sümpfe folgt. Die kleine Ava steht danach ganz alleine mit dem Imperium der Bigtrees dar. Bis der Vogelmann auftaucht, der ihr verspricht, Ossi zu finden.

Am Ende

Damit beginnt eine Odyssee durch die Sümpfe, die Ava gemeinsam mit dem Vogelmann durchstakt. Dieser Vogelmann ist ein völlig schräger Typ und im Laufe der Tage und Nächte muss Ava erkennen, dass er noch dazu bösartig ist. Am Ende wird dann für die Bigtrees alles wieder gut, wenn auch ganz anders. Swamplandia wird versteigert, die Bigtrees beginnen ein neues Leben.

Kreative Schreibtechniken

Karen Russell erzählt eine wundersame Geschichte auf wundervolle Weise. Das Buch schäumt förmlich über vor guten Ideen, die zu einem einzigartigen und unvergesslichen Handlungsrahmen führen. Die Charaktere sind durchweg unergründlich, widersprüchlich und geheimnisvoll – mal mehr, mal weniger. Dabei bedient sich Karen Russell vieler Werkzeuge des Kreativen Schreibens und setzt sie oftmals brillant ein. Ich habe etliche tolle Vergleiche und Assoziationen gefunden, von denen ich hier zwei zitieren will:

„…..Meine Schwester und ich besprühten unsere Unterhemden und –hosen seit Monaten mit Moms Parfüm. Ein starker Rosenduft. Der Flakon bestand aus einem herzförmigen, mit winzigen goldenen und rosa Sechsecken verzierten Fläschchen inklusive eines schwarzen Gummizerstäubers. Er war der mit Abstand eleganteste Gegenstand in unserem Haushalt – auffällig und glamourös, ausländisch genug, um dubios zu wirken. Wir hielten die Rezeptur für uralt; der Duft, der den Namen „Fox“ trug, wurde schon seit Anfang der Siebziger nicht mehr hergestellt. Ossi und ich hatten uns ein Rationierungssystem ausgedacht: Zweimal Pumpen pro Tag und Schwester. Ich fürchtete, wir hätten bald nichts mehr von Mom übrig, trotzdem wollte ich mir noch mehr aufsprühen. Das Parfüm wurde für uns zur flüssigen Sanduhr: Aus halbvoll wurde viertelvoll, das war der Winter. …..“

„…… Der orangefarbene Kegel meiner Taschenlampe huschte wie ein kleiner, schnüffelnder Hund über den Boden….“

(Zitate aus Swamplandia von Karen Russell)

Interessant ist auch der zweisträngige Aufbau der Geschichte, der einmal Ava in der Ich-Erzählperspektive sprechen lässt und daneben Kiwi aus der auktorialen Perspektive beobachtet. Nicht gefallen hat mir allerdings der langatmige Teil in den Sümpfen. Gut die Hälfte des Buches musste ich Ava und dem Vogelmann folgen, was ich wirklich sehr zäh fand. Warum die Autorin diesem Teil der Erzählung so viel Raum und Gewicht gibt, verstehe ich nicht.
Insgesamt jedoch beweist Karen Russell mit Swamplandia, dass sie eine großartige Erzählerin und Creative Writerin ist. Auf ihre folgenden Werke bin ich daher gespannt.

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