Schreibtipps

Schreiben ist heutzutage ziemlich in. Dabei geht es nicht selten auch darum, einen Bestseller zu landen. Hat man erst ein Buch geschrieben und veröffentlicht, hört man immer wieder die Frage: „Und? Wie verkauft es sich?“. Der Anspruch, ein Werk von vielfacher Beachtung zu verfassen, steckt nicht nur im Schreibenden sondern wird auch vom Umfeld wie selbstverständlich herangetragen. Dieser Umstand ist schlecht für uns Schreibende, denn er reduziert die Freude daran auf einen quantitativen Erfolg. Erfreulich ist er jedoch für alle, die mit Schreibtipps regen Handel treiben in Form von Ratgebern oder Beiträgen auf Webseiten. Aber bringen es diese Schreibtipps eigentlich?

Schreiben Sie bildhaft!

Ein immer wieder gern gegebener Tipp an angehende Autoren oder Menschen, die gern schreiben möchten. Wie das genau geht, wird vielfach in einer kurzen Anleitung erklärt, die sich so oder ähnlich liest:

Vermitteln Sie dem Leser ein lebendiges Bild, indem Sie seine Sinne ansprechen. Lassen Sie ihn sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken!

Na prima, nur wie liest sich denn dann die Umsetzung davon? Vielleicht so:

Der Mann sah irre gut aus. Seine Stimme war sanft und melodisch. Ein frischer Duft umgab ihn, der vielleicht von seinem Rasierwasser kam. Er trug einen flauschigen Pulli über seinem weißen Hemd und sie stellte sich vor, dass seine Lippen süß schmeckten.

Durchgefallen

Sie geben mir sicher recht, eine solche Umsetzung bringt es keineswegs. Sicher, alle Sinne sind darin angesprochen, aber dennoch entsteht beim Leser kein sinnlich erfassbarer Eindruck. Denn bildhaftes Schreiben muss sich eines Fächers an weiteren Schreibtechniken bedienen, um beim Leser tatsächlich seine Wirkung zu entfalten. Mit viel Glück stößt der Schreibtipps suchende Schreibende auf den folgenden Hinweis:

Arbeiten Sie mit Vergleichen!

Okay, das kann ja nicht so schwer sein. Also die Textpassage einfach nochmal überarbeiten, zum Beispiel so:

Der Mann sah aus wie ein Filmstar. Seine Stimme erinnerte an dunkelroten Samtstoff, so weich war ihr Klang. Ein Duft nach Frühling umgab ihn, der vielleicht von seinem Rasierwasser kam. Er trug einen Pulli, der sich so flauschig wie ein gerade geborenes Kätzchen anfühlte, darunter ein schneeweißes Hemd. Sie stellte sich vor, dass seine Lippen nach süßen Erdbeeren mit Sahnehäubchen schmeckten.

Durchgefallen

Oh Gott, was für ein Schmonzes! Dieses Beispiel macht klar, mit den Vergleichen ist es nicht unbedingt so einfach, wie es zunächst scheint. Der fleißige Schreibtipps suchende Schreibende gibt jedoch nicht auf und googlet nun nach der Kunst, Vergleiche zu verwenden. Lange kann es nicht dauern, da findet er den folgenden Schreibtipp:

Wählen Sie geeignete und möglichst konkrete Vergleiche!

Aha, da liegt also der Hase in der Bratensoße. Okay, ein weiterer Versuch an dem Text mag zu folgendem Resultat führen:

Der Mann sah aus wie George Clooney. Seine Stimme hörte sich an wie ein tief klingendes Glockenspiel. Ein Duft nach blühender Wiese umgab ihn, der ganz sicher von seinem Rasierwasser kam. Er trug einen Pulli, der sich so flauschig wie das Fell eines gerade geborenen Kätzchen anfühlte, darunter ein Hemd, das weiß erstrahlte. Sie stellte sich vor, seine Lippen zu küssen und dabei die Süße von Erdbeeren mit einem Sahnehäubchen zu schmecken.

Durchgefallen

Und zwar bereits im ersten Satz. Aber warum eigentlich? Hört sich doch alles recht gut an und diesen George Clooney kann man ja nur hübsch finden. Der hartnäckige Schreitipps suchende Schreibende will nun wirklich wissen, warum er erneut durchgefallen ist. Vielleicht wird er schließlich fündig und findet den folgenden Schreibtipp:

Vermeiden Sie unbedingt Stereotype!

Als Beisatz findet sich dazu noch, dem Leser auf keinen Fall etwas vorzuschreiben, was er glauben soll. Nein, die Kunst eines guten Schreibstils ist doch, dem Leser die Freiheit einzuräumen, sich sein eigenes, ganz individuelles Bild machen zu dürfen. Und wenn da der Schreibende mit George Clooney ankommt, dann ist das schlichtweg nicht mehr der Fall. Ganz davon abgesehen, dass immer die Gefahr der Antipathie besteht und dann ist’s mit dem Leser eh völlig verscherzt. Also nochmal:

Der Mann sah absolut smart aus: groß, gut gebaut mit einem markanten Gesicht und einem Lächeln, das Eisberge schmelzen lässt. Er sprach mit einer Stimme, die an ein tief klingendes Glockenspiel aus dunklem Holz erinnerte. Der Duft einer blühenden Wiese umgab ihn, so ganz anders, als es ein Rasierwasser vermag. Über einem schneeweißen Hemd trug er einen Pulli, der sich so flauschig wie das Fell eines gerade geborenen Kätzchens anfühlte. Sie stellte sich vor, seine Lippen zu küssen und dabei zuckersüße Erdbeeren zu schmecken.

Durchgekämpft

Im Vergleich zur ersten Version dieser Passage….

Der Mann sah irre gut aus. Seine Stimme war sanft und melodisch. Ein frischer Duft umgab ihn, der vielleicht von seinem Rasierwasser kam. Er trug einen flauschigen Pulli über seinem weißen Hemd und sie stellte sich vor, dass seine Lippen süß schmeckten.

….. kann der Schreibtipps suchende Schreibende schon ganz zufrieden sein. Immerhin haben ihn diese ganzen Schreibtipps zu einem durchaus besseren Ergebnis geführt. Allerdings sind darüber auch Tage, vielleicht Wochen oder sogar Monate vergangen und die meisten seiner Freunde hat er nun verloren, weil die keine Lust haben, zu ständigen Feedbackgebern zu werden und dabei auch noch jedes Wort auf die Goldwaage legen zu müssen.

Schreibtipps anwenden

Denn das Schwierige ist nicht, zu erfahren, was zu einem guten Ergebnis führt, sondern wie man zu der Umsetzung dieser Tipps gelangen kann. Dies aus sich selbst heraus zu erarbeiten, ist durchaus mühsam und oftmals sogar ein erfolgloses Unterfangen. Vergleichen könnte man es mit Tipps fürs Zeichnen. Demnach ist es ganz einfach, ein Gesicht zu zeichnen, indem man die Konturen aus Licht und Schatten herausarbeitet und dabei sehr genau hinsieht. Am besten lernt man das jedoch in einem Kurs mit fachkundiger Hilfe, der einen Schritt für Schritt an ein gutes Ergebnis heranführt.

Die Schreibkurse der Schreibakademie: So wird´s was!

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