Paris / Ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway

Paris in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Ach hätte ich doch da gelebt! Mein Dasein als Schriftstellerin wäre um so vieles lebendiger, umtriebiger, interessanter, spannender und eben einfach netter. Okay, ich hätte im Winter sicher mehr gefroren. Das jedoch scheint der einzige Nachteil gewesen zu sein, den das damalige Leben als Schriftsteller in Paris mit sich brachte. Laut Hemingway jedenfalls. Seine damaligen Aufzeichnungen hat er in diesem letzten seiner Bücher verwortet. Sie lagerten im Keller des Hotel Ritz, in dem er gerne mal zu Abend aß. Überhaupt offenbart sich in diesen Aufzeichnungen die wahre Leidenschaft des Autors – neben dem Schreiben natürlich.

Feste genießen

Hemingway isst gern und er trinkt gern. Keine Mahlzeit hat er ohne ein Bier oder einen guten Wein zu sich genommen, wie er selbst schreibt. Zum Glück lebt dieser Genießer nicht jetzt. Ganz sicher würde er die neuzeitlichen Gesundheitsapostel als Bedrängnis empfinden, ach was, als Plage sogar, als menschenverachtend wahrscheinlich. Damals war Paris ein Fest fürs Leben, auf dem sich Ernest Hemingway als gut gelaunter Gast tummelte.

Hart arbeiten

Seine Aufzeichnungen sind Fragmente dieser Zeit, in der er dem Journalismus gerade abgeschworen hatte und sich als fiktionaler Schriftsteller behaupten wollte. Selbstredend war dies damals wie heute ein schwieriges Unterfangen. Aber Hemingway betrieb seine kleine Schreibstube mit allerhöchster Ernsthaftigkeit. Und Konsequenz. Das Schreiben war ein Teil seines Lebens und lief es damit schlecht, war seine Laune dahin. Schlecht in dem Sinne, als dass er den Tag über nichts geschafft bekommen hatte, zu keinem Ergebnis gelangt war.

„…..In diesem Zimmer lernte ich auch, von dem Augenblick an, da ich zu schreiben aufhörte, nicht an das zu denken, was ich schrieb, bis ich am nächsten Tag weitermachte. Auf diese Weise arbeitete mein Unterbewusstsein daran, und gleichzeitig hörte ich anderen Leuten zu und merkte mir alles, hoffte ich; lernte, hoffte ich; und ich las, um nicht an meine Arbeit zu denken und nicht die Kraft dafür zu verlieren. Die Treppe hinunterzugehen, wenn du gut gearbeitet hattest, wozu es außer Disziplin auch Glück brauchte, war ein wunderbares Gefühl, und mir stand es frei, durch ganz Paris zu streifen…..“

(Zitat aus Paris / Ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway)

Schreiben als Prozess

Dabei akzeptierte er das Prozesshafte des Schreibens ohne Murren, will meinen, er stellte nicht den Anspruch an sich, jeden Tag etwas Großartiges zu schreiben. Im Gegenteil arbeitete er an seinen Geschichten, was automatisch impliziert, auch schlechte Dinge zu schreiben. Er liebte es, im Café zu sitzen und sich dort in seine Notizen zu vertiefen. Sein Geld reichte manchmal nur für einen einzigen Milchkaffee. Aber oftmals tauchte dann jemand auf, der ihn zu Leckereien einlud und ihm sein Weinchen spendierte.

Nicht allein sein

Auch wenn Hemingway streckenweise darben musste, überwogen doch die Momente, an denen er an dem Pariser Fest teilnahm. Nicht zuletzt deshalb, weil es damals offenbar noch satte Honorare für die Veröffentlichung von Geschichten gab, von denen man als Autor dann zumindest so lange leben konnte, bis die nächste Geschichte angenommen wurde. Und notfalls gab es ja noch die betuchten Freunde und Freundinnen, wie zum Beispiel Gertrude Stein, bei denen immer etwas abfiel.

Kreative Schreibtechniken

Ganz davon abgesehen, dass sich die Techniken des Kreativen Schreibens erst in neuerer Zeit entwickelt haben und unsere modernen Rezeptionsgewohnheiten widerspiegeln, vermute ich, Ernest Hemingway hätte nicht allzu viel davon gehalten. Er war ein großer Freund der präzisen Sprache, des Streichens und Weglassens, des zwischen den Zeilen Stehendem. Und er war ein erklärter Feind der Adjektive, die er nur ungern gebrauchte. All dies sind Eigenheiten, die dem kreativen Schreibstil entgegenstehen. Kreatives Schreiben ist nicht minimalistisch. Es lässt deutliche Bilder im Kopf des Lesers entstehen, bei denen es an Dekor oft nicht fehlen darf. Statt einer prosaischen Sprache bedient es sich lieber des Alltäglichen und zeigt darin das Besondere auf. Und passende, bildhafte Adjektive sind aus einem kreativen Schreibstil gar nicht wegzudenken.
Paris / Ein Fest fürs Lebens ist deshalb ein schönes Buch, weil es den Blick hinter die Kulissen erlaubt. Den Blick auf das Leben eines großartigen Autors seiner Zeit. Freilich auch auf einen Autor, der sein Leben schließlich freiwillig beendete.

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Ernest Hemingway bei Wikipedia

Dokumentation zum Leben von Ernest Hemingway:

Und hier noch ier ein wunderschöner Animationsfilm auf Grundlage der wohl bekanntesten Story von Ernest Hemingway:

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