Gala – Ein Leben von Dominique Bona

Die Biografie über Gala Dalí gehörte während des Umzugs zu meinem Handapparat. Ich las sie bereits vor vielen Jahren und fand, es sei genau die richtige Lektüre für so eine chaotische Lebenssituation. Die Literaturwissenschaftlerin Dominique Bona macht sich auf die Spuren der Ehefrau des großen Malers Salvador Dalí. Wer war diese Frau? Und wie lebte sie mit ihrem exzentrischen Ehemann?

Auftritt Gala

Um dies zu ergründen entführt die Autorin mich als Leserin zunächst in ein Sanatorium in der Schweiz. Dort nämlich lernt die gerade erst neunzehnjährige Russin Helena Dimitrijewna Djakonowa, die sich schlicht Gala nennt, den jungen Dichter Eugéne-Émile-Paul Grindel kennen. Die beiden verlieben sich heillos ineinander und lange dauert es nicht, da wird Gala zur Frau von Paul Éluard – wie er sich nun nennt – und zieht mit ihm nach Paris, um dort den Dadaismus zu gebären.

Dada

Aber nein doch, völlig falsch: Vielmehr gebärt sie die gemeinsame Tochter Cécile und nährt den jungen Dichter mit ihrer Kraft als Muse. Er ist es, der mit seinem Freund André Breton maßgeblich den Dadaismus gründet und verbreitet. Darüber kommt auch der Kölner Max Ernst mit dem kleinen Pariser Kreis, in dem Gala als solche keine Rolle spielt, in Verbindung. Und ihm ergeht es wie dem Dichter: Er verliebt sich in diese Gala. Paul Éluard muss mit ansehen, wie die beiden turteln und füreinander dahinschmelzen. Aber Dada ist eben Dada und auch das gehört unter Umständen dazu.

Gala extrem

Paul Éluards Liebe zu Gala ist jedoch unerschütterlich. Etliche seiner Gedichte widmet er dieser Frau, die mittlerweile mit ihrem Max in seinem Haus lebt und ihm einzig die gemeinsame Tochter Cécile überlässt. Denn Muttergefühle scheinen Gala gänzlich fremd zu sein; mit ihrer Tochter hat sie nichts am Hut und auch Haushalt ist so gar nicht ihr Ding. Stattdessen geht sie lieber in den Pariser Boutiquen shoppen und sorgt sich um ein ausgefeiltes, eigenwilliges Erscheinungsbild.

Cadaqués

Langsam aber stetig gerät die Dadaistische Bewegung ins Schlingern und endet über kleinliche Streitereien in einer Sackgasse ohne Wendemöglichkeit. Allerdings hat Dada den Boden für die nächste künstlerische Ausdrucksform gelegt: Der Surrealismus stellt sich auf. Max Ernst ist es wohl, der Gala in ein kleines Fischerdorf an der Mittelmeerküste in Katalonien mitnimmt, um dort einen vielversprechenden Kollegen zu besuchen. Waren Paul und Max noch Männer, bei denen es nicht sofort funkte, reicht Gala ein kurzer Blick auf den viele Jahre jüngeren Salvador Dalí, um zu entscheiden, dass dies ihr Mann für die Ewigkeit sein soll.

Gala Dalí

Den jungen Dalí muss man sich als extrem schüchternen Menschen vorstellen, der seinen Wahnvorstellungen respektive seinem Genie, schutzlos ausgeliefert ist. Erst als Gala sich seiner annimmt, entwickelt er sich zum Künstler von Weltruhm. Nicht zuletzt deshalb, weil Gala eine brettharte Geschäftsfrau ist und sein gesamtes Backoffice inklusive Vertragsverhandlungen managt. Von ihm will Gala nur eins: Er soll malen.

Geld

Naja, genau genommen soll er damit auch viel Geld verdienen. Denn Gala liebt Geld, sie braucht es sogar, um ihren Ängsten vor plötzlicher Armut zu entfliehen. In ihren mittlere Jahren schleppt sie das Bargeld kofferweise mit sich herum, ebenso wie einige Arzneien, falls es ihr mal wieder schlecht gehen soll. Dabei hat sich aus der körperlich anfälligen Russin, die seinerzeit im Luftkurort Heilung suchte, eine robuste Frau von Welt entpuppt, die bei der Vermarktungskunst des eigenen Mannes bis heute ihresgleichen sucht.

Arme Gala

Die ganze Chose endet im millionenfachen Reichtum – materiell – und in abgrundtiefer seelischer Zerstörtheit. Das alte Ehepaar Dalí fechtet blutige Kämpfe aus; schlägt sich gegenseitig und überwirft sich mit all dem Geld bis hin zur totalen emotionalen Dekadenz. Ich bin wirklich betroffen, wie eine Liebe enden kann, die so glorreich beginnt. Der Altersunterschied erschwert die Lage umsomehr, leidet doch die stolze Gala zunehmend unter den Auswirkungen, immer gut aussehen zu wollen. Die zahlreichen kosmetischen Korrekturen fordern ihren Preis. Ihre Gesichtshaut, vom vielen Abschleifen ganz dünn geworden, reißt und entstellt sie mit nicht heilen wollenden Wunden.

Pubol

Dies ist der Zeitpunkt, an dem sie zur einsamen Königin von Pubol wird. Denn Dalí hat ihr in diesem kleinen katalonischen Dorf eine Burg gekauft. Als sie dort schließlich stirbt, verfällt Dalí einer abgrundtiefen Trauer, die ihn als Künstler erstarren lässt. Sieben lange Jahre fleht er um seinen Tod, denn ohne Gala hat sein Leben keinen Sinn mehr. 1989 stirbt er endlich an Herzschwäche.

Gala perfekt

Faktisch hat die Autorin Dominique Bona Galas Leben fundiert und ausführlich aufbereitet. Allerdings bringt sie an etlichen Stellen Zitate aus Paul Éluards Gedichten ein, was mich zur Vermutung führt, dass sie eigentlich mit ihm, dem Dichter, beschäftigt war. Als Literaturwissenschaftlerin liegt dies ja auch nahe. Das Leben von Gala bot ihr quasi eine Zusatzoption für ein biografisches Werk. Denn was wirklich in oder hinter dieser Gala steckte, vermag sie nicht herauszuarbeiten. Auch für die Autorin selbst bleibt Gala ein geheimnisvolles Wesen. Grund dafür könnte der wissenschaftliche Anspruch sein, der die Autorin davon abhält, eigene Thesen zu formulieren, die mitunter kühn erscheinen könnten.

Kreative Schreibtechniken

Entsprechend ist das Buch in einem nüchternen Stil verfasst, der streckenweise ermüdet. Kreative Schreibtechniken wendet die Autorin selten bis gar nicht an. Viel zu oft stellt sie Fragen in den Raum, denen sie dann jedoch nicht wirklich nachgeht. Gala von Dominique Bona ist daher keine Geschichte über diese faszinierende Frau, sondern eine Beschreibung ihres Lebensweges. Wie gern hätte ich eine bildhafte Vorstellung von Galas Leben und dem ganze Umfeld bekommen. Durch stärkeren Gebrauch der kreativen Schreibtechniken wäre der Autorin dies sicher gelungen. Damit geht sie jedoch äußerst sparsam um. Daher liest sich die Ankunft im wunderhübschen Cadaqués so:

Nach den Mäandern einer engen und gefährlichen Straße fällt unvermutet – während der Rückspiegel noch den eben zurückgelegten Weg verzeichnet (Hügelflucht mit trockenem Gebüsch, raschelnden Olivenbäumen und die staubige Spur der Straße) – hinter irgendeiner der letzten Spitzkurven die Landschaft lotrecht ab, und mit einem Mal liegt vor den Reisenden, jäh unter ihnen, nichts mehr als das Mittelmeer. Und in einer Bucht am Ende des Col du Peni kauert Cadaqués, der Miniaturhafen mit seinen Puppenhäusern, deren makelloses Weiss in der Sonne gleißt.

(Zitat aus Gala von Dominique Bona)

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