Die Dinge geschehen nicht einfach so von Taiye Selasi

Das Buch Die Dinge geschehen nicht einfach so von Taiye Selasi ist auf dem Buchrücken als „….Die literarische Sensation aus Amerika – ein kosmopolitischer Familienroman….“ angekündigt. Auch wenn ich mittlerweile argwöhnisch gegenüber den mehr als anpreisenden Verlagstexten geworden bin, kann ich mich der Wirkung dieser Aussagen dennoch nicht gänzlich entziehen. Voller Spannung beginne ich dieses literarische Wunderwerk zu lesen, mit jeder Faser meines Gehirns auf eine sensationelle Erzählung eingestellt.

Sensationelle Störfaktoren

Dann jedoch stellt sich heraus, Die Dinge geschehen nicht einfach so gehört zu den Büchern, von denen ich schlechte Laune bekomme. Das merke ich nach der dritten Siesta, aus der ich nölig erwache. Zerknautscht schleppe ich mich aufs Sofa, lutsche ein zuckerfreies Zitroneneis und frage mich, was ich an dem Buch so nervig finde. Der Schreibstil gefällt mir nicht. Die Tatsache, dass alle sechs Charaktere in irgendeiner Weise herausragend sind – extrem hübsch, extrem intelligent, extrem künstlerisch und so fort – vermittelt mir den Eindruck, Trivialliteratur zu lesen. Die vielen, vielen Gedanken der Protagonisten und die Art und Weise, wie sie diese denken, ja, auch die vielen kursiven Wörter, stören mich. All das sind jedoch durchaus subjektive Eindrücke.

Ohne Konflikt

Mit dem abgelutschten Eisstil in der Hand setze ich mich im Sofa auf und suche nach einem objektiven Kriterium, nach dem dieser Roman schlicht und ergreifend durchfällt. Und dann habe ich’s: Es gibt keinen echten Konflikt in dieser Geschichte. Daher auch mein Empfinden, die Autorin würde lauter Zeug daherschwafeln, das letztendlich keinen Zusammenhang ergibt und auch keine Relevanz hat. Einen echten Konflikt könnte ich thematisch allerhöchstens in der Beziehung der Kinder und der Frau zum Vater beziehungsweise Ehemann ausmachen. Aber eben auch nur thematisch, denn weder gibt es dabei einen Spannungsaufbau noch eine Klärung oder sogar eine Veränderung, die die Handelnden durchmachen. Auch die Abstammung aus Ghana spielt an keiner Stelle eine entscheidende Rolle oder bildet einen echten Konflikt. Und eine Geschichte ohne Konflikt ist eben keine echte Geschichte; ihr fehlt zwangsläufig der Spannungsbogen.

Gedankenbruchstücke

So wird das Buch Die Dinge geschehen nicht einfach so zu einer Sammlung von Fragmenten, bei denen sich die handelnden Personen abwechseln. Deren subjektive Gedanken und Empfindungen stehen dabei im Vordergrund, ohne dass sonderlich viel geschieht. Oder besser: Es geschehen irgendwelche (nebensächlichen) Dinge und zwar einfach so. Hier mal das Zitat eines vollständigen (!) Kapitels:

„….Später, viel später, als der Mond schon aufgegangen ist und der Tag sich spektakulär in Blutrot und Blutorange, Blau und Magenta verabschiedet hat – ein so überwältigender Sonnenuntergang, den keiner von ihnen sieht -, da treffen sie sich wieder am Tisch um zu Abend zu essen (Reis, Garden-Egg-Suppe), ohne Taiwo, die sich ausruht. Danach wandern alle in ihre Zimmer, gefolgt von Schmerzen und leisen Hoffnungen, und die Türen schließen sich…..“

(Zitat aus Die Dinge geschehen nicht einfach so von Taiye Selasi)

Auffällige  Ähnlichkeiten

In einigen Punkten erinnert mich das Buch an Haifischfrauen von Kiana Davenport: Die vier Geschwister, die in der Welt verstreut leben und zu einem zentralen Ereignis wieder zusammentreffen. Die geheimnisvolle, ablehnende Mutter. Der imposante Vater. Die ständigen Rückblenden zu Ereignissen aus der Kindheit. Allerdings handelt es sich hier um einen schlechten Abklatsch der wundervollen Erzählung von Davenport, in der sich alle diese Komponenten meisterhaft zu einer fesselnden Geschichte verbinden.

Kreative Schreibtechniken

Taiye Selasis Schreibstil ist durchaus von bildhafter Sprache durchsetzt, die mir gut gefällt. Zum Beispiel wirken Palmen im Smog von Lagos erschöpft oder Hausschuhe kauern an der Tür zum Schlafzimmer. Auch finde ich einige Vergleiche schön, wie zum Beispiel die Mauer mit den Lücken, wie das Lächeln eines Sechsjährigen. Kreativ schreiben kann die Autorin, wenn auch nur punktuell. Die Gestik und Mimik der Figuren verharrt in lauter Stereotypen, beschränkt sie sich doch weitgehend auf zittern, stottern und frösteln. An vielen Stellen kann ich mir die beschriebene Haltung der Personen bildhaft gar nicht vorstellen, zum Beispiel wenn Fola den rechten Arm um ihren Bauch schlingt. Tja, und was den Spannungsbogen und Handlungsablauf angeht, habe ich mich ja bereits weiter oben schon ausgiebig beschwert. Insofern ist Die Dinge geschehen nicht einfach so kein sonderlich lesenswertes Buch für Fans eines kreativen Schreibstils.

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Zur Website von Taiye Selasi   

 

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