Die nachhaltige Pflege von Holzböden von Will Wiles

Das Buch Die Nachhaltige Pflege von Holzböden ist kein Ratgeber und hat auch nichts mit der sachgemäßen Behandlung natürlicher Bodenbeläge zu tun. Im Gegenteil. Der junge Autor Will Wiles konfrontiert mich mit der Geschichte von Oskar und seinem Freund, der in diesem Roman ohne Name bleibt. Auch die osteuropäische Stadt, in der dieser Freund auf Oskars Wohnung aufpassen soll, bleibt anonym. Deutet sich hierin etwa der Geist der Web 2.o Generation an, zu der Will Wiles gehört? Sein Debutroman, den der Verlag als „…Spitzentitel im Frühjahr 2013…“ vermarktet, zeigt ansonsten keine Affinität zur Netzgeneration. Jedenfalls nicht thematisch. Vielmehr handelt es sich um eine humorvolle Geschichte, in der auch zwei Katzen einen Platz finden.

Alte Freundschaft

Oskar und seinen Freund verbindet eine alte Freundschaft aus Studentenzeiten, wobei das Studienfach an keiner Stelle erwähnt ist. Oskar wird Musiker und kehrt in seine namenlose Heimatstadt zurück, um dort als Leiter eines Orchesters zu arbeiten. Der namenlose Freund bleibt in London und versucht sich als Schriftsteller – ein mühevolles und desillusionierendes Dasein. Auf Bitten Oskars macht er sich nach? auf, um dort Oskars Wohnung samt zweier Katzen zu hüten.

Design ist Sein

Nun handelt es sich dabei nicht um irgendeine Wohnung, sondern um ein bis ins letzte Detail durchgestyltes Designerstück. Entsprechend findet der Freund praktisch überall Zettel mit Anweisungen, wie er mit den Dingen umzugehen hat. Nun ist der Freund wohntechnisch eher in der Ära des Studentenwohnheims hängen geblieben; lebt zwischen dreckigen Wäschebergen und angeschimmelten Geschirrwaren sein Junggesellendasein aus. Gewisse Schwierigkeiten im Umgang mit Oskars edlem Umfeld sind also vorprogrammiert.

Hässlich rote Flecken

Keine zwei Tage dauert es, da hat der Freund bereits den schicken Holzboden verfleckt. Keine weiteren drei Tage dauert es, da ist der Boden auch schon weitgehend ruiniert. Das offensichtliche Laster des Freundes hat sich darauf verewigt und seine hässlichen Seiten überdeutlich manifestiert. Denn der Freund trinkt gern und viel. Rotwein. Die Konsequenzen dieser Leidenschaft spiegeln sich nicht nur als eine Art Dauerkater sondern eben auch in lauter Missgeschicken, von denen am nächsten Tag die Erinnerung fehlt oder zumindest nur schemenhaft existiert.

„…..Weißes Rauschen. Diffuse Wahrnehmung, weit unterhalb der Hörschwelle, wie das Blut sich durch enge Adernkanäle zwängt. Ein dumpf pochender Rhythmus, die gedämpften Trommelschläge des Sklaventreibers, während die todesmatten Ruderknechte ihre Galeere durch einen Ozean aus Sirup quälen. Das Herz pumpt heißen, dickflüssigen Glibber anstelle von Blut. Zellen mühen sich durchzuhalten und sterben ab. Die Reizleitungen des Gehirns sirren wie Insektenkiller. Eine Kaskade neuronaler Funken, knisternde Kettenreaktionen, feuernde Synapsen. Empfinden – aber was? – empfinden von Empfindungslosigkeit. Dann, allmählich, aufdämmerndes Bewusstsein…..“

(Zitat aus Die nachhaltige Pflege von Holzböden von Will Wiles)

Kein gutes Ende

Den zugrunde gelegten Konflikt entfaltet Will Wiles weitschweifig, jedoch nicht unbedingt facettenreich. Oskars Freund hinterlässt eben nur Rotweinflecken, was die Geschichte etwas einseitig macht und den guten Holzboden quasi homogen einsaut. Hier hätte ich mir mehr Abwechslung gewünscht, was auch der Figur des Freundes gut getan hätte. Jedenfalls spitzen sich die Zustände in der Designerwohnung so zu, dass ich mich wirklich frage, wie diese Geschichte wohl enden wird. Unter anderem gibt es dabei sogar zwei Leichen: Den Kater Strawinsky erwischt es mit dem Klavierdeckel, die Putzfrau Ada erleidet nach einer unbeabsichtigten Messerstecherei mit dem Freund einen Herzanfall. Für den Autor Will Wiles gibt es nur noch zwei Möglichkeiten des Endes: Entweder entzieht sich der Protagonist den Konsequenzen, zum Beispiel durch spurloses Verschwinden, oder eine ungeahnte Wendung rettet ihm den Hals aus der Schlinge. Es passiert Letzteres, wobei diese Wendung auf mich leider wie die schlechte Pointe eines aufwendig erzählten Witzes wirkt. Oder auch wie der schale Restschluck eines vormals frischen, kalten Biers.

Kreative Schreibtechniken

Will Wiles bedient sich einer bildhaften Sprache, die mich an vielen Stellen auflachen lässt. Seine Vergleiche sind teilweise mustergültig kreativ wie zum Beispiel dieser hier, als sich der Freund Oskars Reaktion vorstellt, wenn er ihm die verhängnisvollen Ereignisse telefonisch nach LA mitteilen würde:

„…..„Ach“, würde er sagen, eine Silbe so voller Schärfe, dass sie die Isolierung von den Kupferdrähten der transatlantischen Telefonleitung wegätzen würde….“

(Zitat aus Die nachhaltige Pflege von Holzböden von Will Wiles)

Um so bedauerlicher finde ich den Handlungsablauf der Geschichte, der sich leider auf die Wiederholung der Geschehnisse reduziert, wie ich bereits weiter oben andeutete. Aus meiner Sicht hätte das Lektorat hier bessere Arbeit leisten können, denn dem Autor Will Wiles traue ich einiges mehr zu. Sehr gut gefallen haben mir auch seine psychologischen Erkenntnisse, die er recht nebensächlich in die Story einfließen lässt. Will Wiles erfasst mit scharfem Blick die Unzulänglichkeiten, die unser menschliches Dasein prägen. Alles in allem bin ich darauf gespannt, was er außer Die nachhaltige Pflege von Holzböden noch so hervorbringen wird.

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Zur Website des Autors Will Wiles 

 

 

 

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