Der Hundertjährige…..von Jonas Jonasson

Der Bestseller von Jonas Jonasson gelangte als Überbleibsel eines Sommerurlaubs an der Costa Daurada in meine Hände. Keine Ahnung, ob die Feriengäste zu viele Souvenirs eingekauft hatten und für das Buch kein Platz mehr blieb. Kaum vorstellen kann ich mir jedenfalls, dass jemand Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand grundlos aus seinen Händen gibt. Dafür ist es einfach viel zu stark geschrieben.

Der total vitale Hundertjährige

Schon der Titel kündigt Unwahrscheinliches an. Ein Hundertjähriger steigt so einfach aus dem Fenster und geht fort – mit welcher Vitalität muss so ein Mann ausgestattet sein, welche Motivationen oder Ideen muss er haben, um dies zu tun? Dem Autor Jonas Jonasson fallen die Antworten auf diese Fragen leicht. Es kommt mir vor, als fasse er ein Fadenende aus dem Knäuel aller möglichen Geschichten an, und folgte diesem, getrieben von seinem unerschöpflichen Einfallsreichtum. Dieses Talent scheint bei den Jonassons in der Familie zu liegen.

Erzählkunst in den Genen

Dies verrät der Autor gleich auf der ersten Seite in der Widmung:

„Niemand konnte ein Publikum so in den Bann schlagen wie Großvater, wenn er mit dem Priem im Mund und leicht auf seinen Stock gestützt auf seiner Holzbank saß.

„Ja, aber…..ist das denn wirklich wahr, Opa?“, fragten wir Enkel dann immer ganz hingerissen.

„Wenn’s ein’n man jümmers bloß de Worheit vertellt, denn ist de Tid nich wert, dat je em tohört“, antwortete Großvater.

Dieses Buch ist ihm gewidmet.

(Zitat aus Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson)

Bestseller aus gutem Grund

Als Enkel dieses Erzählkünstlers steht er seinem Großvater in keiner Weise nach. Er entwickelt eine Geschichte, die trotz ihrer Unwahrscheinlichkeiten absolut glaubwürdig klingt. Zur Hilfe nimmt er dabei eindrucksvolle Charaktere, deren Zeichnung ihm in allen Fällen sehr gut gelingt. Er verspinnt die handelnden Personen in gemeinsame Erlebnisse, die er nach dem Muster eines Roadmovies anordnet. Dabei heraus kommt eine spannende Geschichte, die sich durch allerhöchste Erzählkunst auszeichnet.

Haarsträubende Fantasie

Der Autor schafft es, allen realitätsnahen Überlegungen, die ich als Leser anstelle, mit Fantasie zu begegnen. Für mich wird es sekundär, ob ein Hundertjähriger wirklich noch so fit sein kann oder ob Leichen, die man mit sich herumkarrt, nicht irgendwann stinken, oder ob ein Elefant tatsächlich in einem Bus hausen kann. Rationale Antworten auf solche Überlegungen spielen in diesem Buch keine Rolle, denn sie werden von einer tollkühnen Geschichte überlagert, die mich an vielen Stellen zum Schmunzeln bringt.

Kreative Schreibtechniken

Jonas Johansson wendet kreative Schreibtechniken nicht explizit an. Vergleiche sucht man vergeblich, für Assoziationen ist kaum Platz. Die Stärken dieser Geschichte liegen ganz klar im Handlungsverlauf und dem Spannungsbogen. Dabei bedient er sich immer wieder des harten Schnitts (Cliffhanger), um die beiden Erzählstränge miteinander abzuwechseln. Bildhaft und gelungen entwirft er die Charaktere; stattet sie mit Äußerlichkeiten, Eigenheiten und Ticks aus, die sie unvergesslich machen. Der Erzählstil mutet tatsächlich wie eine lange Geschichte an und das ganze Buch hindurch sehe ich mich selbst staunend lauschen; werde zu einem erwachsenen Kind, das voller Spannung lauscht.

Universelles Weihnachtsgeschenk

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson eignet sich auch wunderbar als universelles Weihnachtsgeschenk für alle Menschen, die gern lesen. Das sieht auch die Sarah Reul vom Buchladen am Freiheitsplatz in Hanau so. Bereits letztes Jahr stellte sie das Buch bei der Herbstlese als Geschenktipp vor:

Zum Buch bei Amazon (Partnerlink):

Zur Website von Jonas Jonasson

2 Antworten auf „Der Hundertjährige…..von Jonas Jonasson“

  1. Bestseller hin oder her. Nachdem ich das Kapitel gelesen hatte, wo sich der Autor über die Bibel, über Gott und Jesus lustig macht, habe ich das Buch in den Kehrichteimer gelegt. Wohlverstanden neben die verfaulten Tomaten und die verkackten Windeln meines Grosskindes!

    1. Ihrer Verärgerung haben Sie sehr bildhaft Luft gemacht – ausgesprochen unschön, neben fauligem Zeug und Kinderkacke in der Tonne zu landen. Da hat der Autor wohl das Thema in einer Weise berührt, mit der Sie keinen Spass verstehen. So kann man eben immer mal in ein Fettnäpfchen treten…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.