Das Erwachen der Señorita Prim von Natalia Sanmartin Fenollera

Bei Das Erwachen der Señorita Prim hätten mich gleich mehrere Dinge stutzig machen müssen. Das ist einmal jene Aussage im Covertext: „….Ihr erster Roman, der in der Verlagswelt international spontane Begeisterung auslöste…..“. Bei dem Wort Verlagswelt hätten meine Alarmglocken lautstark läuten müssen, denn – ich weiß es doch – dabei handelt es sich um eine auserlesene, elitäre Kaste, die eben nicht unbedingt den Geschmack der Leser repräsentiert. Diese Verlagswelt ist durch sehr einfache Reize zu betören, in diesem Fall wohl durch den Bezug zu den Urliteraten wie Vergil, Horaz oder sogar Platon. Dann der Name der Protagonistin: Prudencia Prim. Spätestens hier hätte mich eine deutliche Ahnung erfassen müssen, auf was für ein Buch ich mich einlasse.

Prudencia Prim

Der Vorname ist gleichzeitig das spanische Verb und bedeutet Vorsicht, Bedachtsamkeit, Vernunft und Klugheit. Alles Begriffe, die nicht gerade vielversprechend für den Stoff eines spannenden Romans sind. Und dann dieser Name Prim. Dieser Juan Prim war nämlich ein berühmter General, dessen Name bis heute in jeder großen Stadt in Spanien als Straßenname zu finden ist. Er vollbrachte entscheidende Leistungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Bezug auf die Suche nach einer herrschaftlichen Ordnung Spaniens. Komplizierte Geschichte das, wer sich dafür interessiert, mag es hier nachlesen. Jedenfalls deutet auch dieser Bezug auf Lesestoff hin, der sich keinesfalls durch Leichtigkeit kennzeichnet.

Der Mann im Armsessel

Und so ist es auch in Das Erwachen der Señorita Prim. Die Geschichte ist äußerst spießig in ihrer Handlung und auch in der Erzählweise. Da ist diese Señorita Prim, beladen mit zahlreichen akademischen Abschlüssen und Bibliothekarin aus Leidenschaft. Nichts macht sie lieber, als alte Schriftstücke vom Staub zu befreien, zu etikettieren und richtig einzusortieren. Ihr Arbeitgeber, der keinen Namen hat, sondern das ganze Buch hindurch der Mann im Armsessel heißt, lenkt sie von Zeit zu Zeit mit tiefgründigen Wortgefechten davon ab, nach denen sich die Señorita Prim meistens unwohl fühlt. Auch vergeht kaum eine Unterhaltung, bei der sie nicht errötet.

Alles kommun

Die Señorita Prudencia Prim zeigt sich durchweg in der Gänze ihrer spießigen Lebenseinstellung, die selbstverständlich rein intellektuell begründet ist. Zum Glück verschlägt es sie in das Dorf San Ireneo de Arnois, denn dort findet sie ein entsprechendes Umfeld. Es ist ein kleines Dorf, wo die Kinder zum Beispiel Septimus heißen, die Frauen Hortensia oder Herminia und wo ein so kollektiver Geist herrscht, dass selbst die Suche nach einem Ehemann in der Gemeinschaft gelöst wird. Die Kinder lernen vor allem anderen Griechisch und Latein, denn das ist unverzichtbar, um im Leben klarzukommen. In diesem Umfeld reiht nun die Autorin ein langweiliges Ereignis ans andere und füllt damit über 300 Seiten. Ihre Absicht ist es, eine Gegenwelt zum aktuellen modernen Lebensumfeld aufzuzeichnen. Dabei heraus kommt eine Art naive Erzählform, die sich in Anlehnung an die naive Malerei, mit lieblichen Szenerien und illusorischen Statuten über Wasser hält. Das liest sich dann beispielsweise so:

„…..

Als die Bibliothekarin diese Worte hörte, fiel ihr zum ersten Mal auf, dass sie selbst nie mehr als fünf oder sechs Stunden täglich in der Bibliothek des Mannes im Armsessel arbeitete. Bisher hatte sie diesen entspannten Arbeitsalltag den Extravaganzen ihres Chefs zugeschrieben; erst jetzt wurde ihr klar, dass es sich dabei um ein feststehendes Prinzip in San Ireneo handelte.

„Unsere Freundin Amelia“, sagte in diesem Moment Hortensia Oeillet, „sieht sich gezwungen, Arbeitszeiten einzuhalten, die mit den Richtlinien von San Ireneo nicht zu vereinbaren sind. Der Richter wurde bereits mehrfach darauf hingewiesen, aber er scheint es nicht wahrhaben zu wollen. Wie ihr wisst, wird Amelia im April des kommenden Jahres heiraten“ – erneutes Murmeln, diesmal beglückwünschend, erfüllte den Saal – „und es ist gut möglich, dass sie bald Mutter werden wird. Wir müssen diese verfahrene Situation also so schnell wie möglich lösen.“

Ein von mehreren Hochrufen begleiteter Applaus krönte die Worte der Vorsitzenden. Als Nächstes erhob sich eine zierliche Frau mit großen Augen und ausdrucksvollem Gesicht und ergriff das Wort.

…..“

(Zitat aus Das Erwachen der Señorita Prim von Natalia Sanmartin Fenollera)

Kreative Schreibtechniken

Das Buch Das Erwachen der Señorita Prim ist gänzlich frei von kreativen Elementen. Weder setzt die Autorin kreative Schreibtechniken ein noch bringt sie sonstwie einen kreativen Hauch in ihre langweilige Geschichte. Das einzig Schöne an dem Buch ist das handliche Format und das Cover, auf dem mich eine junge Schönheit mit verwegener Frisur anblickt. Aber auch diesem jungen Mädchen spricht die zickige Spießigkeit aus Gesicht, Haltung und Kleidung – jene Eigenschaft, welche die Autorin mit der Señorita Prim präsentiert. Insofern ist das Coverbild tatsächlich perfekt gewählt. Immerhin eine kreative Leistung, auch wenn sie nicht von der Autorin stammt.

Natalia Sanmartin Fenollera hat leider keine Website und auch keine andere Referenz im Internet, die ich hier – wie gewohnt – als weiterführenden Link angeben könnte.

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