Das Buch der Menschlichkeit vom Dalai Lama

Rechtzeitig vor der Jahrtausendwende veröffentlichte Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama Das Buch der Menschlichkeit. Der Untertitel lautet Eine neue Ethik für unsere Zeit und vielleicht wollte er uns damit einen Leitfaden für das 21. Jahrhundert mit auf den Weg geben. Erschienen ist das Werk als Taschenbuch bei Bastei Lübbe, dem klassischen Schundbuchverlag. Über die Gründe könnte ich nur Vermutungen anstellen, will mich jedoch auf das Fazit beschränken: Lieber hätte ich es in den Händen eines anerkannten Literaturverlages gesehen. Dennoch mindern diese Umstände in keiner Weise den Inhalt beziehungsweise die Botschaft dieser Publikation.

Was ist Glück?

So kompliziert und mitunter auch abstrakt die Ausführungen des Dalai Lama teilweise auch sind, bemüht sich dieser äußerst gebildete Autor an jeder Stelle, seine komplexen Gedanken möglichst einfach darzustellen. Dies ist keine leichte Aufgabe, resultieren diese Erkenntnisse doch aus einem lebenslangen Studium der Geisteswissenschaften und des andauernd praktizierten Buddhismus. Auf die Frage: Was ist Glück? Gibt der Dalai Lama jedoch eine sehr einfache und leicht verständliche Antwort. Glück ist der innere Friede, den der Mensch durch sein Handeln findet.

Ethisches Handeln

Grundlage jedes Verhaltens sollte demnach ethischer Natur sein, also davon motiviert und durchdrungen sein, durch sein eigenes Handeln Leid zu vermeiden. So simpel auch seine Antwort auf das Glück lautet, so komplex gestaltet sich der Begriff Leid. Er erstreckt sich auf alle sinnlichen Wahrnehmungen und geht von körperlichen Leiden über materielle Entbehrungen bis hin zur seelischen Qual. Eine Unterscheidung trifft der Dalai Lama zwischen unvermeidbarem Leid wie zum Beispiel Krankheiten oder Naturkatastrophen und dem vermeidbaren Leid wie beispielsweise Armut oder Gewalt. In drei Teilen und achtzehn Kapiteln führt er seine Gedanken und Erkenntnisse, gegliedert nach unterschiedlichen Gesichtspunkten, aus. Daraus ergibt sich ein Leitfaden für das ethische Handeln im gesellschaftlichen Einzel- und Gesamtkontext.

Der Flügelschlag des Schmetterlings

Gleichzeitig entsteht daraus ein Ratgeber zum eigenen Glück, das sich eben nicht in materiellen Gütern finden lässt, es sei denn, sie dienen zur reinen Existenzsicherung. Ich lese dieses Buch mit Freude, es erleichtert mein Herz von Zweifeln und befreit meine Gedanken vom tödlichen Gift des gegenwärtigen neoliberalistischen Zeitgeists. Es gibt mir eine Menge Zuversicht, meine kleinen Beiträge zum ethischen Verhalten zu leisten, in der Überzeugung, dass sie wichtig sind, auch wenn sie die Welt als Ganzes nicht verändern, nein, davon sogar völlig unbemerkt bleiben. Dennoch bringe ich dieses Glück spendende Handeln in meine winzig kleine Mikrowelt ein und erlange dadurch meinen inneren Frieden. Natürlich würde ich mir wünschen, einen größeren Wirkungskreis zu haben und das Glück in jeden noch so versteckten Winkel dieser Erde tragen zu können. Ein kindlicher Traum, die gute Fee in einem Märchen zu sein.

Rätselhaftes mit klarer Ursache

Aber wofür brauchen wir eigentlich eine Fee, wenn doch der Wunsch nach innerem Frieden in jedem von uns steckt und das probate Mittel dazu ist, bei seinem Handeln unter allen Umständen Leid zu vermeiden? Ist das wirklich so schwer? Warum gibt es Armut, Elend, Kriege, Verbrechen, Gewalt, Betrug, Korruption und Ungerechtigkeiten? Kann es denn sein, dass jenes Urbedürfnis nach innerem Frieden an gewissen Punkten pervertiert und den Menschen zum Scheusal werden lässt?

Diese Frage stellt sich der Dalai Lama auch:

„…… Wie erklären wir uns dann die Existenz solcher Individuen, die ihr Leben offenbar ausschließlich der Gewalt und Aggression widmen? ……… Ich muss gestehen, dass ich für die monströsen Taten dieser Leute keine Erklärung habe. Doch zwei Dinge sollte man bedenken. Erstens tauchen solche Leute nicht aus dem Nichts auf, sondern sie kommen aus einer bestimmten Gesellschaft, die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort existiert. Man muss ihr Verhalten also dahin gehend betrachten. Zweitens müssen wir die Rolle erkennen, die die Vorstellungskraft bei ihren Taten spielte. Ihre Pläne wurden gemäß ihrer Visionen ausgeführt……“

(Zitat aus Das Buch der Menschlichkeit vom Dalai Lama)

Rückblick – Ausblick

Wenn ich die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung seit 1999 resümiere, komme ich zu dem Schluss, dass sich das Leid in vielerlei Formen ausgebreitet hat und Ende 2012 Menschen trifft, die noch vor Kurzem weitgehend frei davon waren. Ich frage mich, was der Dalai Lama zu dieser Entwicklung sagt und ob er wohl betrübt darüber ist, dass seine Ethik zumindest den Anfang dieses neuen Jahrtausends nicht erreicht hat. Oder täusche ich mich darin? Sie, liebe Leser, und ich, wir sind uns einig, wir wollen den inneren Frieden und bemühen uns, so zu handeln, dass wir kein Leid verursachen. Wenn da nicht die Anderen wären, die Mächtigen, die Reichen, die all das Leid dieser Welt auslösen. Dieser Gegensatz von uns Vielen und den Wenigen gibt auch für das kommende Jahr Anlass zur Hoffnung, das Leben auf dieser Erde ein Stück besser machen zu können. Schließlich wird die Welt erheblich länger existieren, als unser kurzes Menschenleben. Der Glaube an eine bessere Zukunft ist durchaus berechtigt, auch wenn wir selbst davon nicht viel miterleben werden.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Rutsch und viel Glück für das neue Jahr!

 

P. S.: Dieses Werk aus dem Blickwinkel der kreativen Schreibtechniken zu betrachten, erübrigt sich. Hätte der Dalai Lama diese angewandt, würde Das Buch der Menschlichkeit aus etlichen Bänden bestehen. Aber vielleicht möchten Sie sich ja daran versuchen, bestimmte Aspekte dieser neuen Ethik für unsere Zeit in einen kreativen Schreibstil umzusetzen?

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Offizielle Website des Dalai Lama 

Die Dalai Lama Foundation 

Studienanleitung für Das Buch der Menschlichkeit 

 

 

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