Das geraubte Leben des Waisen Jun Do von Adam Johnson

Das geraubte Leben des Waisen Jun Do ist endlich mal ein Buch, das mir gewidmet ist! Also zumindest einer meiner Namensschwestern. Zum Glück, kann ich nur sagen, denn ohne diese Widmung hätte ich es wahrscheinlich viel zu schnell weggelegt. Dieses dicke Werk von Adam Johnson hat mich erst nach gut der Hälfte für sich eingenommen. Und mit der letzten Seite komme ich zu dem Schluss, es ist ein monumentales Werk, das der Autor da geschaffen hat. Nach diesem Roman lesen sich die Nachrichten zu Nordkorea oder zum derzeitigen Diktator Kim Jong Un doch ganz anders.

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Ein Mann von Welt von Antoine Wilson

Ehrlich gesagt habe ich von Ein Mann von Welt nicht viel erwartet. Der Zufallsgriff in meine Bücherkiste brachte es hervor und so geriet es vor meine Nase. Teil eins beginnt mit Kassette 1, Seite a & b. Es handelt sich also um die Abschrift einer Tonbandaufzeichnung. Anders wäre es auch nicht gegangen, denn der Protagonist Oppen Porter liegt bis zum Hals eingegipst im Krankenhausbett und wird noch vor Morgengrauen sterben, seine Worte. Vorher hat er jedoch seinem Sohn Juan-George noch einiges mitzuteilen. Juan-George allerdings ist noch gar nicht geboren, sondern schwimmt noch im Bauch seiner Mutter Carmen, die am Krankenbett wacht.

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Ein ganzes Leben von Robert Seethaler

Ein ganzes Leben erzählt  Robert Seethaler auf 150 Seiten. Würde der Zeilenabstand nicht ungewohnt groß ausfallen, wäre er wahrscheinlich mit der Hälfte der Seiten ausgekommen, um die Geschichte von Andreas Egger aufzuschreiben. Sie mag in Österreich spielen, die Landschaft und die Namen der Charaktere weisen darauf hin. Robert Seethaler selbst gibt dem Leser keine Ortsnamen an die Hand, vielleicht war dafür kein Platz mehr. Überhaupt ist der Autor ein Freund weniger Worte, die er dafür umso präziser verwendet.

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Shotgun Lovesongs von Nickolas Butler

Shotgun Lovesongs erzählt die Geschichte von fünf Freunden in einer kleinen Stadt in Wisconsin. Fast hätte ich Kuhkaff geschrieben, leben dort doch nur etwas mehr als tausend Menschen, die überwiegend ihrer Beschäftigung als Farmer nachgehen. Eigentlich geht in diesem Ort Little Wing rein gar nichts ab. Im Norden der USA gelegen, schaufelt man dort ein halbes Jahr lang Schnee und plagt sich mit dem Nordwind herum. Dennoch gelingt es dem jungen Autor Nickolas Butler, einen drei Finger dicken Roman darüber zu schreiben. Die Rezeptur lautet: R-L-K-H-B.

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Die Frauen von T.C.Boyle

Der Roman Die Frauen von T.C.Boyle ist keinesfalls eine allgemeine Betrachtung des weiblichen Geschlechts. Vielmehr nimmt er die vier Frauen des berühmten Architekten Frank Lloyd Wright ins Visier und erzählt durch sie und mit ihnen vom Leben dieses charismatischen Mannes. Schuld daran ist selbstverständlich eine Frau, seine Frau, T.C.Boyles Frau, die unbedingt in einem Haus des Baumeisters wohnen wollte und seither in Kalifornien die Vor- und Nachteile eines solchen Baukörpers am eigenen Leibe erfährt. Diesen Umstand und vielleicht auch das Gedenkjahr 2009 zum 50. Todestag von Frank Lloyd Wright, in dem dieses Buch nun ausgerechnet erschien, nahm T.C.Boyle wohl zum Anlass für seinen Roman Die Frauen.

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Das Verschwiegene von Linn Ullmann

Mit Das Verschwiegene präsentiert die norwegische Autorin Linn Ullmann ihren neuesten Roman. Kein Zweifel, Linn Ullman kann schreiben. Dies hat sie auch in ihrer jahrelangen Arbeit als Literaturkritikerin und Kolumnistin für norwegische Zeitungen bewiesen. Handlungsort der Geschichte ist überwiegend eine großzügige, jedoch leicht heruntergekommene weiße Holzvilla in Mailund. Dort wohnt Jenny Brodal, die an ihrem 75. Geburtstag wieder das Saufen beginnt, nachdem sie zwanzig Jahre lang trocken war. Anlass dafür ist – neben dem Verschwiegenen – eine Party, die sie gar nicht geben will.

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Das Schneemädchen von Eowyn Ivey

Im Winter zieht es mich regelmäßig zu Büchern, in denen es schneit. Kein Wunder also, dass ich Das Schneemädchen sofort schnappe, als es mich aus der Bücherkiste anblinzelt. Das Cover wirkt traumhaft verschneit, die Autorin Eowyn Ivey lebt selbst in Alaska und muss daher wissen, worum es beim Erzählen von Schneegeschichten geht. Das Schneemädchen spielt 1920 am Wolverine River in diesem eiskalten amerikanischen Bundesstaat und beginnt mit – Stille.

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Das wilde Kind von T.C. Boyle

Das wilde Kind beruht auf einer wahren Begebenheit. Wer sich für Erziehung oder Sozialisation interessiert, stößt schnell auf den Fall des Wolfsjungen Viktor von Aveyron, den man 1797 in einem Wald in Südfrankreich entdeckte. Kurz darauf fing man ihn ein wie ein wildes Tier, erklärte ihn zum „geborenen Idioten“ und übergab ihn schließlich an Jean Ittard, dem Chefarzt einer Taubstummenanstalt. Dieser schob die Idiotie nicht auf die mangelnde Intelligenz des Jungen, sondern auf eine gänzlich fehlende Integration des Kleinen in die menschliche Gesellschaft. Da der Junge offenbar allein im Wald aufgewachsen war, hatte er ungewöhnliche Verhaltensweisen angenommen, die dort zum Überleben notwendig waren.

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San Miguel von T.C.Boyle

San Miguel ist die am westlichsten gelegene Insel im Santa-Barbara-Kanal, Kalifornien. Erzählte T.C.Boyle in seinem letzten Roman eine Geschichte von Anacapa – der am östlichsten gelegenen Inselgruppe – spielt sein neuester Roman auf San Miguel. Und nur dort. Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, dass T.C.Boyle selbst in den Bergen von Santa Barbara lebt. Vielleicht erheischt er von seinem Lloyd-Wright-Haus aus sogar einen Blick auf die Kanalinseln. Jedenfalls scheinen ihn diese kargen Felsanordnungen stark einzunehmen und so erzählt er in San Miguel die Geschichte der Familien Waters und Lester, die seinerzeit in der Einsamkeit dieser Insel ihr Glück suchten.

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Das peinlichste Jahr meines Lebens von Mark Lowery

Das peinlichste Jahr meines Lebens ist durchaus ein gut gewählter Titel, denn wer wird da nicht neugierig. Besonders, weil es nicht das schönste, das erfolgreichste oder das glücklichste Jahr ist, sondern eben das peinlichste. Darüber etwas zu erfahren, ist auf jeden Fall selten und somit spannend. Beim Blick auf das Cover bin ich geneigt, es als das peinlichste Cover ever seen zu einzustufen. Der Esel darauf ist zwar wirklich süß, wirkt aber sehr deplatziert. Auf einem Olivenhain würde er sich jedenfalls besser machen 😉 Wie auch immer, mit dem Eselscover in der Hand beginne ich zu lesen. Erste Seite: großes Erstaunen.

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