Die eiskalte Jahreszeit der Liebe von A.D. Miller

Ich liebe Schnee und Russland fasziniert mich. So kommt mir Die eiskalte Jahreszeit der Liebe von A.D. Miller gerade recht, zumal ich erst kürzlich ein Buch über dieses Land las, das mich schlichtweg umgehauen hat. Der Autor A.D. Miller war bis 2007 Moskaukorrespondent für eine britische Zeitung und ich gehe davon aus, er weiß, wovon er schreibt. Schon der erste Satz ist so verwirrend, wie dieses übergroße Land: „Ich roch sie, ehe ich sie sah.“ Ein toller Anfang, der meine Lesefreude in höchste Wallung versetzt.

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Der ungeladene Gast von Sadie Jones

Angekündigt wurde Der ungeladene Gast von Sadie Jones als Bestseller für den Herbst 2012. Den Erscheinungstermin Anfang September begleiteten zahlreiche Marketingkampagnen in Print und Online sowie Anzeigen in einschlägigen Magazinen wie zum Beispiel Brigitte. Genützt hat dieser ganze Aufwand zugunsten der Autorin Sadie Jones leider gar nichts, befindet sich das Buch doch auf Rang 67.853 der Bestsellerliste bei Amazon. Wie konnte das nur passieren?

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Die Freundin meines Sohnes von Lauren Grodstein

Es ist mir schon häufiger so passiert: Ich beginne mit einem Buch und ungefähr die ersten dreißig Seiten sind so meisterhaft geschrieben, als habe ein mehrfaches Lektorat daran Hand angelegt. Dann jedoch fällt die schreibtechnische Qualität ab, wie eine Aktie in der Baisse, und von dem betörenden Schreibstil leuchten nur noch hier und da Fragmente auf. Die Freundin meines Sohnes von Lauren Grodstein ist dafür ein Beispiel. Obwohl die Autorin Creative Writing unterrichtet, gelingt ihr mit diesem Werk aus meiner Sicht kein Glanzlicht des Kreativen Schreibens.

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Die russische Patientin von Bärbel Reetz

Laut Klappentext begebe ich mich mit diesem Buch auf die Spuren von Sabina Spielrein, von der ich bis dato noch nie etwas gehört habe. 1885 geboren in Rostow am Don und Kind einer reichen jüdischen Familie, zeigt sie schon in jungen Jahren eine psychische Symptomatik, die eine spezielle Behandlung erforderlich macht. Nach vielen Versuchen russischer Ärzte, die allesamt scheitern, bringen ihre Eltern sie nach Zürich ins „Burghölzli“, einer Klinik, in der sich gerade die Psychoanalyse (auch „Redekur“ genannt) von Sigmund Freud zu entwickeln beginnt. Jedoch nimmt der Großmeister selbst sich nur sporadisch dieser russischen Patientin an. Mit ihrer Behandlung betreut er seinen wissenschaftlichen Zögling  C.G. Jung.

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Als der Regen kam von Urs Augstburger

Der Einband kommt in zarten Pastelltönen daher. Das untere Drittel ziert ein junges Paar, das sich ein dünnes Hemd überhält, wohl um sich Als der Regen kam zu schützen. Die beiden sind von einem verklärten Lächeln beseelt und ihr zarte Haut mag noch keine fünfzehn Lenze auf Erden weilen. Zwischen Einband und Deckblatt segelt eine mit dem gleichen Motiv bedruckte Karte hervor, auf der Rückseite ausgestattet mit acht Einlesecodes, die mich direkt zu den verfilmten Kapiteln führen würden, wenn ich ein entsprechendes mobiles Endgerät hätte. Habe ich nicht, aber auf die eigens für das Buch eingerichtete Webseite kann ich navigieren. Wow, denke ich mir, ganz schön viel Aufwand für ein Buch, und beginne interessiert mit der Lektüre.

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Das Buch der Menschlichkeit vom Dalai Lama

Rechtzeitig vor der Jahrtausendwende veröffentlichte Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama Das Buch der Menschlichkeit. Der Untertitel lautet Eine neue Ethik für unsere Zeit und vielleicht wollte er uns damit einen Leitfaden für das 21. Jahrhundert mit auf den Weg geben. Erschienen ist das Werk als Taschenbuch bei Bastei Lübbe, dem klassischen Schundbuchverlag. Über die Gründe könnte ich nur Vermutungen anstellen, will mich jedoch auf das Fazit beschränken: Lieber hätte ich es in den Händen eines anerkannten Literaturverlages gesehen. Dennoch mindern diese Umstände in keiner Weise den Inhalt beziehungsweise die Botschaft dieser Publikation.

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Die Ängstlichen von Peter Henning

800 Seiten Lesestoff reichen definitiv nicht für einen besonders heißen und langen Sommer. Also hole ich mir nochmal ein dickes Taschenbuch aus meiner Schatzkiste der ungelesenen Bücher: Die Ängstlichen von Peter Hennig. Auch wenn sich der Titel recht gut an das vorher gelesene Buch anschließt, liegen dennoch Welten dazwischen. Thematik, Schreibstil und Nachgeschmack schwimmen auf einer völlig anderen Welle, auf der ich nun eine Weile surfen werde. Ich lerne die Familie Jensen aus Hanau kennen, und dies besser, als es mir vielleicht lieb wäre, hätte der Autor mich vorher gefragt.

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Wir Ertrunkenen von Carsten Jensen

Jedes Jahr markieren die ersten Julitage den Beginn einer Zeit, in der Sonne und Hitze über viele Wochen die einzigen Protagonisten des Geschehens sind; über sämtliche Aktivitäten bestimmen, die hier den Alltag oder auch den Urlaub ausmachen. Unbedingt dazu gehört die nachmittägliche Siesta zwischen drei und fünf Uhr – den Stunden des Tages, in denen die Hitze brüllt und alles andere übertönt. Aushalten lässt es sich dann nur im ruhenden Zustand, am besten mit einem Eislappen auf dem Bauch und einem guten Buch vor der Nase. Darum fällt meine Wahl auf das fünf Finger dicke Exemplar Wir Ertrunkenen von Carsten Jensen. Dieser Schinken wird mich schon gut durch den Sommer bringen, denke ich mir.

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Bleak House von Charles Dickens

Eingewickelt in Geschenkpapier gelangt der Roman Bleak House von Charles Dickens in meine Hände. Ein lieber Freund hat ihn als Geburtstagsgeschenk für mich ausgewählt, denn an diesem Tag erblickte auch Charles Dickens das Licht der Welt. Seinerzeit, vor 200 Jahren. Von dem Autor kenne ich bisher nur die Erzählung des armen Oliver Twist. Ich erinnere mich noch genau, wie ich als Kind die gesprochene Fassung auf der Langspielplatte wieder und wieder anhörte und meine Empörung über solch ungerechte Verhältnisse mir jedes Mal bis zum Hals schlug. Ähnliches erwarte ich jetzt von dem Insel-Taschenbuch Nummer 1110, das über tausend Seiten stark ist und im London des 19. Jahrhunderts spielt.

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Tinkers von Paul Harding

Bei diesem Buch bin ich mir sicher, ganz sicher, eine wahre Lesefreude für Fans des kreativen Schreibens in der Hand zu halten. Dafür sprechen mehrere Gründe: die Auszeichnung mit dem Pulitzerpreis in 2010, die Tätigkeit des Autors Paul Harding als Dozent für Creative Writing, die Dornröschenstory der Veröffentlichung und die jubelnden Pressestimmen, die Tinkers in den Himmel loben. Voller Vorfreude suche ich mir ein bequemes Plätzchen und schlage die erste Seite auf.

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