Schizophrenie ist scheiße, Mama! von Janine Berg-Peer

Schizophrenie ist scheiße, Mama! ist ein Satz mitten aus dem Leben von Janine Berg-Peer mit ihrer erkrankten Tochter. Die Diagnose schlägt bei den beiden Frauen ein, als Lena 17 Jahre alt ist. Danach ist nichts mehr so, wie gewohnt oder gar wie geplant. Es beginnt ein Lauf durch den Irrgarten medizinischer und psychischer Behandlungen, durchsetzt von zermürbenden Krankenhausaufenthalten, kleinen Erfolgen und großen Rückschlägen, denn letztendlich ist diese Erkrankung nicht vollständig heilbar. Es bleibt den beiden nichts anderes übrig, als sie als ungebetene Begleiterin ihrer beider Leben zu akzeptieren.

„Schizophrenie ist scheiße, Mama! von Janine Berg-Peer“ weiterlesen

Das größere Wunder von Thomas Glavinic

Ein größeres Wunder setzt mindestens ein kleineres voraus. Ich stelle mich also auf eine Geschichte ein, in der gleich mehrmals jene Begebenheit vorkommt, nach der sich wohl jeder von uns sehnt. Mal wieder heißt der Protagonist von Thomas Glavinics neuesten Roman Jonas und zunächst zieht mich seine Story auch in den Bann. Zweisträngig geschrieben lerne ich kapitelweise das Vorleben von Jonas kennen und nehme an seiner Expedition zur Besteigung des Mount Everest teil. Letztere sorgt naturgemäß für Spannung, denn dieser Berg hat es nun mal in sich. Und die Rückblenden zu den ersten Lebensjahren von Jonas lösen bei mir die emotionale Betroffenheit aus, auf die es der Autor Thomas Glavinic vielleicht abgesehen hat.

„Das größere Wunder von Thomas Glavinic“ weiterlesen

Die Dinge geschehen nicht einfach so von Taiye Selasi

Das Buch Die Dinge geschehen nicht einfach so von Taiye Selasi ist auf dem Buchrücken als „….Die literarische Sensation aus Amerika – ein kosmopolitischer Familienroman….“ angekündigt. Auch wenn ich mittlerweile argwöhnisch gegenüber den mehr als anpreisenden Verlagstexten geworden bin, kann ich mich der Wirkung dieser Aussagen dennoch nicht gänzlich entziehen. Voller Spannung beginne ich dieses literarische Wunderwerk zu lesen, mit jeder Faser meines Gehirns auf eine sensationelle Erzählung eingestellt.

„Die Dinge geschehen nicht einfach so von Taiye Selasi“ weiterlesen

Besser von Doris Knecht

Der Text auf dem Buchrücken von Besser ist gut: Eine Frau, die zugibt, ihren Mann hereingelegt zu haben. Das weckt Neugierde und Erwartungen. Ich finde Menschen gut, die den Mut haben, bestimmte Dinge zu erkennen, auch wenn diese unschön sind. Ich freue mich auf die Geschichte, denn das Wesen einer Geschichte ist schließlich eine Veränderung oder Entwicklung. Und bin gespannt darauf, was diese Frau aus ihrer Einsicht macht.

„Besser von Doris Knecht“ weiterlesen

Die andere Seite der Stille von André Brink

Zwanzig Jahre hat der Autor den Titel Die andere Seite der Stille mit sich herumgetragen, bevor er diese magisch anmutenden Worte mit Inhalt füllen konnte. Er entschied sich, das Leben von Hanna X unter diesem Titel zu schildern. Meine Erwartungen sind groß, denn Stille an sich hat ja bereits etwas Zauberhaftes an sich. Etwas, das zum krassen Gegensatz unserer bevölkerten, entdeckten und zivilisierten Welt steht und in ihrer reinen Form nur noch selten und an wenigen Orten zu finden ist. Wie steht es dann erst um das, was innerhalb oder sogar hinter Stille steckt. Da kann ja nur Magie ins Spiel kommen, denke ich mir, und beginne neugierig zu lesen.

„Die andere Seite der Stille von André Brink“ weiterlesen

Scherben von Ismet Prcic

Der Roman Scherben behandelt ein bislang seltenes Thema der Gegenwartsliteratur: den jüngsten Krieg in Jugoslawien. Der bosnische Autor Ismet Prcic hat ihn hautnah erlebt und lässt aus den Spuren, den er in seinem Leben hinterlassen hat, den Roman Scherben entstehen. Es ist das erste Buch des 1977 geborenen Schriftstellers, der mittlerweile in Oregon lebt. Er gehört damit bereits zur dritten Generation, die – jeweils aus einem anderen Krieg heraus  – aus dem zerrütteten Jugoslawien emigrierte. Ich stelle mich auf eine Erzählung ein, die viel über das Leben und die Menschen in einem solchen Land verrät.

„Scherben von Ismet Prcic“ weiterlesen

Die geheimen Talente des Piet Barol von Richard Mason

Hätte ich mir doch nur nicht auferlegt, zu jedem Buch, das ich lese, eine Rezension in der Schreibakademie zu verfassen! Das habe ich schon mehrfach gedacht, aber bei  Die geheimen Talente des Piet Barol ganz besonders. Eigentlich kann ich dazu nur einen einzigen Satz sagen und der besteht aus drei Wörtern. Das jedoch ist zu wenig für einen Beitrag, also muss ich mir schon etwas mehr einfallen lassen. Ist ja eigentlich auch meine Aufgabe, zu beleuchten, warum genau ein Buch im Sinne des Kreativen Schreibens gut oder schlecht ist. Und immerhin handelt es sich bei Die geheimen Talente des Piet Barol um den Spitzentitel im Frühjahr 2013 vom Bertelsmann Verlag.

„Die geheimen Talente des Piet Barol von Richard Mason“ weiterlesen

Winterjournal von Paul Auster

Du greifst in die gerade neu eingetroffene Bücherkiste deiner lieben Schwester und hältst es in der Hand, das Winterjournal von Paul Auster. Du musst dich nicht dafür entscheiden; die Kiste ist noch randvoll, etliche andere Titel warten darauf, von dir gelesen zu werden. Du schaust das Cover an, trittst aus dem Halbdunkel ans Fenster um es besser zu erkennen, denn es ist mehr schwarz als weiß. Dann siehst du ihn, diesen Paul Auster, als jungen Mann. Hübsch ist er, lässig gekleidet und sein Gesicht ist nachdenklich, ja, ernst.

„Winterjournal von Paul Auster“ weiterlesen

Immer wieder das Meer von Nataša Dragnić

Immer wieder das Meer kommt mit einem frischen Cover daher, selbstverständlich mit Blick aufs Meer. Erschienen im Mai sollte es seitens des Verlags als DAS Sommerbuch 2013 vermarktet werden. 15 Millionen Kundenkontakte nutzte die PR-Abteilung dafür, die Werbeabteilung kümmerte sich um eine große Online-Kampagne sowie Anzeigen in den einschlägigen Frauenzeitschriften und die Autorin Nataša Dragnić selbst begab sich auf eine ausschweifende Lesereise mit Buchpräsentationen. Ach ja, und für die Buchhändler gab es im Vorfeld ein Preisausschreiben für deren schriftliche Meinung zum Leseexemplar. Gewinn: ein Picknickkorb! Ganz schön viel Startwind für Immer wieder das Meer. Ob diese Promotion denn wohl wirtschaftlich war?

„Immer wieder das Meer von Nataša Dragnić“ weiterlesen

Der Traum des Kelten von Mario Vargas Llosa

Der Titel Der Traum des Kelten weckt in mir die Erwartung auf eine vielleicht mystische Geschichte, auf jeden Fall  jedoch  auf einen Roman, der von einer Welt erzählt, die der blanken Realität entrückt ist; eben irgendetwas Träumerisches enthält. Mit dieser Erwartung liege ich jedoch hundertprozentig neben dem, was Mario Vargas Llosas Buch ausmacht. Denn es ist in keiner Weise verträumt und weder ein Roman noch eine Biografie. Es ist etwas von beidem und oszilliert – nicht gerade elegant – zwischen diesen zwei Gattungen.

„Der Traum des Kelten von Mario Vargas Llosa“ weiterlesen