Der Untergang Barcelonas von Albert Sánchez Piñol

Den neuen Roman von Albert Sánchez Piñol Der Untergang Barcelonas habe ich mit Spannung erwartet. Mit seinem  Buch Pandora im Kongo hat er bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ist es doch ein ausgesprochen lesenswertes Werk, nicht nur im Hinblick auf den Einsatz kreativer Schreibtechniken. Insofern hatte ich erwartet, der Autor würde die spanische Geschichte mit ähnlicher Kunstfertigkeit bearbeiten und einen historischen Roman der Weltklasse hinschmettern.

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Im Stein von Clemens Meyer

Im Stein landet bei mir nach zweiundachtzig Seiten im Karton. Dort sammle ich alle Bücher, die ich nicht mehr haben will. Die ich verschenke oder aus denen ich was baue. Dabei hätte ich noch gut fünfhundert Seiten Lesestoff vor mir gehabt. Dieses Werk von Clemens Meyer wurde sogar vom Deutschen Literaturfonds gefördert. Die haben scheinbar zu viel Geld. Und bei der Leipziger Buchmesse stand Im Stein auf der Shortlist. Die haben scheinbar einen komischen Geschmack. Es ist selten, dass ich einem Buch rein gar nichts abgewinnen kann. Aber lesen Sie mal selbst:

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Stoner von John Williams

Am plötzlichen Erfolg seines Romans Stoner kann John Williams sich nicht mehr erfreuen, denn der Autor starb bereits im März 1994. Posthum erklimmt Stoner die aktuellen Bestsellerlisten und ist damit eines der gelegentlich auftretenden Beispiele für Bücher, die ihrer Zeit voraus waren, verkannt wurden oder eben einfach etwas länger auf die begeisterten Leser warten mussten. Letzteres scheint mir bei Stoner zuzutreffen.

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Paris / Ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway

Paris in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Ach hätte ich doch da gelebt! Mein Dasein als Schriftstellerin wäre um so vieles lebendiger, umtriebiger, interessanter, spannender und eben einfach netter. Okay, ich hätte im Winter sicher mehr gefroren. Das jedoch scheint der einzige Nachteil gewesen zu sein, den das damalige Leben als Schriftsteller in Paris mit sich brachte. Laut Hemingway jedenfalls. Seine damaligen Aufzeichnungen hat er in diesem letzten seiner Bücher verwortet. Sie lagerten im Keller des Hotel Ritz, in dem er gerne mal zu Abend aß. Überhaupt offenbart sich in diesen Aufzeichnungen die wahre Leidenschaft des Autors – neben dem Schreiben natürlich.

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Das Erwachen der Señorita Prim von Natalia Sanmartin Fenollera

Bei Das Erwachen der Señorita Prim hätten mich gleich mehrere Dinge stutzig machen müssen. Das ist einmal jene Aussage im Covertext: „….Ihr erster Roman, der in der Verlagswelt international spontane Begeisterung auslöste…..“. Bei dem Wort Verlagswelt hätten meine Alarmglocken lautstark läuten müssen, denn – ich weiß es doch – dabei handelt es sich um eine auserlesene, elitäre Kaste, die eben nicht unbedingt den Geschmack der Leser repräsentiert. Diese Verlagswelt ist durch sehr einfache Reize zu betören, in diesem Fall wohl durch den Bezug zu den Urliteraten wie Vergil, Horaz oder sogar Platon. Dann der Name der Protagonistin: Prudencia Prim. Spätestens hier hätte mich eine deutliche Ahnung erfassen müssen, auf was für ein Buch ich mich einlasse.

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Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr von Michel Birbaek

Wenn das Leben ein Strand ist, sind die Frauen das Mehr von Michel Birbaek erzählt keine Urlaubsgeschichte. Es geht auch nicht wirklich um Frauen und schon gar nicht um mehr. Auch das Leben als solches ist nicht Thema dieses Buches von Michel Birbaek. Drängt sich die Frage auf, welche Geschichte das Buch dann wohl erzählt. So, und jetzt muss ich aufpassen, was ich schreibe. Denn erstens mag der Autor keine negative Kritik – Michel Birbaek ist sehr sensibel, wie er auf seiner Website verrät – und zweitens will ich ja auch die vielen begeisterten Leserinnen nicht vor den Kopf schlagen. Also behaupte ich mal, es ist eine Geschichte, die hinter die Kulissen des Fernsehfilmgeschehens blicken lässt.

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Jenseits der Untiefen von Favel Parrett

Jenseits der Untiefen ist keine schöne Geschichte. Aber es ist eine gelungene Erzählung und ein tolles Buch. Ausnahmsweise gebe ich der vor Lob triefenden Kritik aus der Sunday Times recht: „Wenn Sie in diesem Jahr nur ein Buch lesen, dann lesen Sie dieses“. Die 1974 geborene Autorin Favel Parrett legt mit diesem Roman, der bereits 2011 in Australien erschien, ein eigenwilliges Debüt hin. Sie erzählt von den Brüdern Joe, Miles und Harry, die in Australien leben und ans Meer gefesselt sind.

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Kapital von John Lanchester

Der Titel Kapital hört sich nach einem zeitgemäßen Sachbuch an, ist es doch eines der Themen, die unser Leben derzeit so gravierend bestimmen. Die Einflüsse des Kapitals spüren wir an so vielen Stellen, lesen davon in so vielen Berichten, sehen sein Antlitz in so vielen Bereichen – mal unschuldig verkleidet, mal in seiner wahren, äußerst hässlichen Gestalt. Der Autor John Lanchester hat das Kapital zu einem Romanstoff verwoben, der immerhin knapp 700 Seiten lang geworden ist. Er hat dafür farbige Fäden gewählt, an manchen Stellen ein tiefes Grau eingeflochten, jedoch insgesamt eine durchaus unterhaltsame Qualität hervorgebracht.

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Bo von Rainer Merkel

Bo ist bereits der fünfte Roman von Rainer Merkel, erschienen im März 2013. So dick, wie mein Daumen lang ist, handelt es sich bei Bo um einen fetten Leseschinken. Und wie alles Gute ist er viel zu schnell verzehrt oder auch aufgelesen, wenn auch noch lange nicht verdaut. Bo hat’s in sich. Und Rainer Merkel hat’s drauf. Geboren im schönen Köln studierte er Psychologie und Kunstgeschichte. Dann machte er sich auf nach Liberia, wo er in einer psychiatrischen Klinik der Hilfsorganisation Cap Anamur arbeitete. Bo ist eine Geschichte, die nur aus seinen Erfahrungen und seinem Wissen heraus entstehen konnte.

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Die Kunst des Feldspiels von Chad Harbach

Die Kunst den Feldspiels ist der erste Roman des 1975 geborenen Chad Harbach. Allerdings ist der Autor in der amerikanischen Literaturszene kein unbeschriebenes Blatt, betreibt er doch seit vielen Jahren eine Literaturzeitschrift mit Namen n+1.  Insofern dürfte es ihm nicht schwer gefallen sein, auf sein Debut Die Kunst des Feldspiels hinreichend aufmerksam gemacht zu haben, was ganz sicher zum Erfolg dieses Buches beitrug. Denn zumindest im nicht amerikanischen Raum ist das Hauptthema kein Bereich, für den sich viele Menschen begeistern. Nach den ersten dreißig Seiten war ich geneigt, das Buch wegzulegen, denn detaillierte Baseball-Spielkunst interessiert mich überhaupt nicht. Dann jedoch fesselte mich Schwartzy.

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