Auf der Plaça del Diamant von Mercè Rodoreda

Der Roman Auf der Plaça del Diamant als Neuauflage von Suhrkamp ist eines dieser modernen Bücher im Pocketformat. Die katalanische Autorin Mercè Rodoreda schrieb es 1962, als sie im Exil in Frankreich und der Schweiz lebte. Denn zu diesem Zeitpunkt herrschte Franco über Spanien. Besonders schmerzhaft war dies für die Katalanen, deren Tradition der Caudillo bis hin zur eigenen Sprache unterdrückte. Wobei natürlich alle Menschen in Spanien unter dem diktatorischen Regime litten. Das schöne Barcelona war in Grautönen gefangen, selbst wenn die Sonne auf seine Straßen und Plätze schien und das Mittelmeer blau erstrahlte.

Man heiratet

Bei einem Fest Auf der Plaça del Diamant trifft die Protagonistin Colometa ihren zukünftigen Ehemann Quimet. Ihre beste Freundin Senyora Enriqueta steht ihr in der Phase der Annäherung mit Rat und Tat zur Seite. Dieser Quimet ist schon ein wenig wunderlich, aber gut, er ist dennoch ein durchaus heiratswürdiger Mann. Zumal er seiner Colometa das Eheparadies verspricht.

Man hilft

Die Lebensverhältnisse in Barcelona kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges sind ärmlich und trist. Für die Menschen dort ist es eine Zeit des Zusammenhaltens, denn nur gemeinsam funktioniert überhaupt irgendetwas. So helfen Quimets Freunde bei der Renovierung der schäbigen Wohnung, in die das frisch vermählte Paar einzieht. Auf der Dachterrasse beginnen die beiden mit einer Taubenzucht, die mehr und mehr Raum in der Geschichte einnimmt.

Man leidet

Als Quimet schließlich in den Krieg zieht, lässt er seine Colometa mit den beiden Kindern in dürftigen Verhältnissen zurück, aus denen sich nach seinem Tod bittere Armut entwickelt. Jedoch hat Colometa Glück und das Buch schließt seine traurige Erzählung mit einem Happyend ab.

Man liest

Das Werk Auf der Plaça del Diamant gilt als literarischer Klassiker der katalanischen Autorin. Durchaus gelingt es Mercè Rodoreda, die Düsterkeit und Entbehrungen im Barcelona dieser Zeit zu schildern. Der Roman besitzt szenisch eine eindringliche Dichte. Ich persönlich kann Auf der Plaça del Diamant jedoch nicht viel abgewinnen. Vor allem deshalb nicht, weil mich die Ausdrucksweise nervt und sogar ärgert.

„….. Während die Hochzeitsgäste sich anschließend zum Aperitif setzten, fuhren Quimet und ich zum Fotografen. Der knipste uns etliche Male, Quimet im Stehen und ich im Sitzen, und dann Quimet im Sitzen und ich im Stehen. Dann saßen wir beide und schauten ein wenig zur Seite, dann sahen wir uns an, damit die Leute nicht glauben, dass ihr euch schon am ersten Tag in die Haare gekommen seid, sagte der Fotograf. Und ein anderes Foto, auf dem wir beide nebeneinander standen, und ich musste die Hand auf ein niedriges Tischchen mit drei Beinen legen, und das Tischchen wackelte, und dann kam noch ein Bild, auf dem wir beide auf einer Bank sitzen, neben einem Baum aus Stoff und Glanzpapier. Als wir zum Monumental kamen, warteten alle schon ungeduldig auf uns, aber wir erklärten ihnen, dass uns der Fotograf richtig künstlerische Fotos gemacht habe, die eben ihre Zeit brauchen. Auf jeden Fall waren keine Oliven mehr da und auch keine Anchovis, und Quimet sagte, dass es egal sei und wir mit dem Essen anfangen könnten, aber dass er schon sagen müsse, dass die Leute keine Spur von Anstand hätten…..“

(Zitat aus Auf der Plaça del Diamant von Mercè Rodoreda)

Man wundert sich

Nach diesem Zitat verstehen Sie mich vielleicht. Der Satzbau ist – nett gesagt – durchaus eigenwillig, die Wortwahl und Formulierungen ungeschickt bis kompliziert. Vermutlich handelt es sich hierbei eher nicht um den Schreibstil der Autorin, sondern um eine nachlässige Übersetzung. Im Spanischen und auch im Katalanischen sind lange Sätze üblich und sie entstehen nicht selten durch eine Aneinanderreihung mithilfe der Konjunktion und. Beim Übersetzen ins Deutsche kann man diese Satzkonstruktion jedoch nicht so einfach übernehmen – oder so etwas kommt dabei heraus. Eine Besonderheit besitzt Auf der Plaça del Diamant also auf jeden Fall: Es ist ganz sicher das Buch mit den meisten Unds. Davon ganz abgesehen enthält es auch zahlreiche Formulierungen, die es im Deutschen nicht gibt oder auch Ausdrücke, die schlichtweg falsch sind.

Kreative Schreibtechniken

Auf der Plaça del Diamant ist kein Buch, in dem man die Anwendung kreativer Schreibtechniken finden kann. Als stilistisches Mittel entstanden sie erst in den sechziger Jahren im englischsprachigen Raum. Bevor in Spanien überhaupt etwas davon ankommen konnte, musste Franco ehedem erstmal verschwinden. Und auch heute noch ist der Einfluss aus dem anglosächsischen Raum in Spanien deutlich geringer, als zum Beispiel hier in Deutschland.

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Infos zur Autorin Mercè Rodorera

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