Augustus von John Williams

Kennen Sie Augustus, den römischen Kaiser, der auch Octavius Cäsar hieß? Die Frage verneint wohl kein Leser dieser Rezension. Aber wieso nannte er sich denn eigentlich Augustus? Und wie herrschte er über das römische Imperium? Wie sah sein Leben aus, in welchem Alter starb er, wen liebte er, was für ein Mensch war dieser große Herrscher überhaupt? Zwecks Beantwortung dieser Fragen können Sie nun Geschichtsbücher heranziehen oder aber den neuen Roman Augustus von John Williams lesen. Zweiteres empfehle ich Ihnen.

Briefe und Notizen in Bestform

Augustus in den Händen haltend bin ich zunächst kritisch. Ein Roman in Briefen, Notizen und Memoiren mit lauter altertümlichen Namen und das auf knapp fünfhundert Seiten. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir das wirklich antun soll. Zumal ich den vorhergehenden Roman Stoner von John Williams zwar interessant, jedoch nicht toll fand. Aber schon nach den ersten Seiten tauche ich intensiv in die Geschichte von Kaiser Augustus ein.

Octavius Cäsar

Und die begann als Großneffe des mächtigen Julius Cäsar, der ihn als Nachfolger bestimmte. Ermordet von seinen Feinden trat dieser Fall schneller ein, als erwartet. Octavius Cäsar war kaum erwachsen, als er die Thronfolge antreten musste. Ein schmächtiges Kerlchen von labiler Gesundheit sollte nun die Geschicke des von Intrigen durchtränkten Römischen Reichs leiten. Einzig seine blauen, wachen Augen ließen da ein wenig Hoffnung zu.

Augustus

Sogleich überraschte er alle seine Gegner durch schlaue Taktiken, mit denen er sich schnell als wahrer Kaiser behauptete. In diesem Zuge entstand auch sein Name als Herrscher, Cäsar Augustus, den das Volk ihm zudachte. John Williams lässt diese Geschichte aus Briefen und Notizen entstehen, durch die er mich als Leser mit bester Orientierung leitet. Da sind die Memoiren von Marcus Agrippa, Briefe von Marcus Tullius Cicero an Marcius Philippus oder von Gaius Clinius Maecenas an Titus Livius oder von Atia an Octavius und viele mehr. Aber statt damit zu verwirren, führt der Autor John Williams durch dieses feine Netz an verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Beziehungen mit unglaublichem Feingefühl, das fast schon an perfekte Didaktik grenzt.

Ein Kaiser fürs Volk

Ebenso präsentiert er die zahlreichen Intrigen, Lügen, Verschwörungen, die das Römische Reich ohne Unterlass erschüttern und wanken lassen. Besonders die volksnahe Einstellung von Augustus führte immer wieder zur Kollision mit dem betuchten Bürgertum, das den Senat bildete. Der römischen Elite war des Kaisers Einsatz für das niedere Volk sicher genauso zuwider und fremd, wie es heute global der Fall ist. Augustus verteilte oftmals sogar Geld an sein gesamtes Volk. Es war ihm ein ehrliches Anliegen, seine Untertanen gut zu versorgen, sie keinen Hunger leiden zu lassen oder gar zivile Opfer von kriegerischen Geschehnissen zu werden.

Revue eines Lebens

Das ganze Leben von Augustus bestand allein aus Hingabe für sein Reich – mit allem, was dazugehörte. Sogar seine geliebte Tochter Julia opferte er diesem Ziel, indem er sie verbannte und bis an sein Lebensende nie wieder sah. Cäsar Augustus starb mit 76 Jahren und dank John Williams gibt es nun auch ein persönliches Resümee dieses Kaisers, der für die Geschichte Roms so bedeutend war. Ganz am Ende lässt der Autor den alten Augustus sein Leben und – vor allem – sein Schaffen Revue passieren, was eine ungeheure menschliche Nähe zu diesem Kaiser erzeugt.

Alle Menschen

Ganz nach John Williams Credo war auch er nämlich nur ein Mensch, der sein Leben so gut es ging gelebt hat; gute und schlechte Entscheidungen traf, mit seinen Emotionen kämpfte und immer bemüht war, den Kopf über Wasser zu halten. Die Stärke und Kraft der Jugend nutzte sich dabei unweigerlich ab an den harten Ecken und Kanten dessen, was eben Leben heißt. Auch ein mächtiger Kaiser kommt daran nicht vorbei, sondern erlebt die Zersetzung seiner Visionen, der Ideale und letztendlich den körperlich-geistigen Zerfall, mit dem ein jedes Leben auf natürliche Weise endet.

Meisterwerk römischer Geschichte

Mit Augustus ist John Williams aus meiner Sicht ein Meisterwerk gelungen: Einerseits ein historischer Roman, der viele Zusammenhänge verdeutlicht, die kein Geschichtsbuch darzustellen vermag. Andererseits ausgestattet mit fiktionalen Elementen, die mir allesamt logisch und passend erscheinen, um die Menschen hinter dem rein äußerlichen Rom als Imperium zu zeigen. Cäsar Augustus, der auch ein großer Förderer von Kunst und Dichtung war, hätte ganz sicher lobende Worte für das erzählerische Geschick von John Williams gefunden.

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Mehr über den Roman  Augustus von John Williams 

Und wer sofort einen Überblick über das Leben von Augustus bekommen möchte, hier eine Doku:

Stephanie
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