Auch das wird vergehen von Milena Busquets

Beim Titel Auch das wird vergehen drängt sich die Frage auf, was mit das gemeint ist. Das Cover könnte auf einen Urlaub hindeuten, der vergehen wird. Die wenigen Sätze des Buchrückentextes verraten jedoch, es geht um Milena Busquets Trauer über ihre verstorbene Mutter, die vergehen wird. Aber eigentlich hängt beides zusammen: Das Buch handelt von einem Sommerurlaub in Cadaqués, der dazu dienen wird, diese Trauer zu überwinden. So viel zur Handlung dieses Romans.

Autobiografische Züge

Knapp zweihundert Seiten hat Milena Busquets sich aus der Feder gequetscht, um diese Geschichte mit vielen autobiografischen Zügen zu erzählen. Ihre Mutter, Esther Tusquets, war Verlegerin – die der Protagonistin Blanca ist es auch. Sie lebt mit ihren zwei Söhnen in Barcelona – Blanca ebenso. Es gibt vermutlich einen Familienwohnsitz in Cadaqués – denn Blanca hat ihn geerbt. Kurzum: Milena Buquets verarbeitet in Auch das wird vergehen ihre eigene Lebensgeschichte.

Hommage an die Mutter

Die Passagen zum Tod von Blancas Mutter lesen sich überwiegend wie eine Hommage an diese Frau. Als solches ist das ja völlig legitim und eine schöne Idee, seiner Mutter viele gute Worte zu widmen. Als Autor sollte man jedoch immer den wahren Adressaten im Blick haben: den Leser. Und für den ist dieses Buch nur bedingt geschrieben. Er ist degradiert zum Zuschauer, der möglichst viel und laut applaudieren soll, wenn Milena Busquets sich und ihre Bewunderung für Esther Tusquets zur Schau stellt und dabei ihre Trauer bewältigt.

Simple Trauerarbeit

Das Rezept für die Trauerarbeit ist simpel, wenn auch nicht unbedingt leicht für jede Frau. Es lautet: Ficken, ficken, ficken, wie die Autorin selbst schreibt. Der Roman Auch das wird vergehen besteht zum Glück nicht allein aus diesem Thema. In diesem Urlaub, den Blanca mit ihren beiden Ex-Ehemännern, einem Liebhaber, ihren Kindern und zwei Freundinnen verbringt, geht es auch noch ums Essen, um Kleidung, um Schuhe und ums Zudröhnen mit Alkohol, Marihuana und Kokain.

Einfache Dialoge

Im Hinblick auf dieses ausgeklügelte Handlungsgerüst kann es kaum verwundern, welch tiefschürfende Dialoge der Leser über sich ergehen lassen muss. Zum Beispiel an der Stelle, als Blanca – ihres Liebhabers müde und schon wieder auf der Pirsch – mit dem Mann ins Gespräch kommt, den sie frisch aufs Korn genommen hat:

„…..Das Kinn, markant, geschützt von einem Viertagebart, der ihm wahrscheinlich in nur zwei Tagen wächst. Die mandelförmigen Augen von einem dunklen und wittrigen Grau, groß, sehr weit auseinanderstehend, als wollten sie die Schläfen erobern oder nichts von dem verpassen, was ringsum geschieht. Die Stimme, gewichtig, tief, aber nicht übertrieben, widerspricht seiner Erscheinung nicht und straft sie nicht Lügen.

„Bis jetzt noch nicht“, sage ich. „Diese Flipflops können, wenn man schnell geht, schon mal wegfliegen, die sitzen ja nicht fest am Fuß, weißt du?“ Ich erzähle ihm das gestikulierend und wippe dabei mit dem Fuß, damit er sieht, wie der Schuh sich bewegt. Und wie schmal und zart meine Fesseln sind.

„Klar. Ich trage immer Espadrilles. Also im Sommer. Ich interessiere mich nicht so für Mode.“

„Ja, klar, ich auch nicht.“ Ich erzähle schon Lügen, denke ich. Gleich werde ich behaupten, dass ich verrückt bin nach Fußball und ausschließlich Lyrik lese.

„Gehst du nicht an den Strand?“

„Wir sind gerade zurückgekommen. Meine Haut ist sehr empfindlich, ich kann um diese Zeit nicht in der Sonne sein, also, eigentlich zu keiner Zeit. Mein Hautarzt sagt, so eine Haut wie meine ist hierzulande ein Unding.“

……“

(Zitat aus Auch das wird vergehen von Milena Busquets)

Stilecht

Streckenweise zeigt die Autorin jedoch auch ein überraschend gutes Händchen für Sprache. So ist Auch das wird vergehen wieder mal eines dieser Bücher, dessen ersten dreißig Seiten perfekt geschrieben und lektoriert sind. Als Tochter einer Verlegerin, die zu ihrer Mutter ein sehr enges Verhältnis hatte, kann ja auch nicht alles Literarische an Milena Busquets vorbeigegangen sein. Sie hat schon einen eigenen Schreibstil, schließlich verfasste sie unter anderem Kolumnen für große Zeitungen und Magazine.

Hoch dosiert

Vielleicht hätte sie dabei lieber bleiben sollen. Ihre Fünfhundertworttexte mögen sicherlich unterhaltsam zu lesen sein, der Roman Auch das wird vergehen ist für mich jedoch ein echtes Ärgernis. Ein Buch, das ein renommierter Verlag nie veröffentlicht hätte, hinge da nicht eine gewaltige Dosis Vitamin B dran.

Kreative Schreibtechniken

Hier und da mal ein treffender Vergleich, der Hauch einer Assoziation – mehr ist wohl nicht zu finden in Auch das wird vergehen. Wenn schon das autorielle Ich kaum existiert, die Leser das applaudierende Publikum sein sollen, wieso sollte sich die Autorin da mit kreativen Schreibtechniken abgeben? Vermutlich bleibt zu Milena Busquets als Romanautorin nur noch dieses zu sagen: Auch das wird vergehen.

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Stephanie
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