Macht von Karen Duve

Macht ist die Geschichte von Sebastian Bürger, der im Jahr 2031 Pressereferent des Demokratiekomitees ist. Die Autorin Karen Duve siedelt ihren Roman in der Zukunft an; einer Zeit, in der die heute noch spekulativen Konsequenzen unseres Handelns konkrete Lebensumstände darstellen. Das von ihr entworfene Szenarium spielt für Macht jedoch nur eine Nebenrolle. Im Dunstkreis von Ego-Smarts, Compunikatoren, Shamming und Sharing-Eggs richtet sich Basti sein Leben ein. Denn als Mann ist das gar nicht mehr so einfach, haben doch die Frauen im Laufe des langjährigen Quoten-Kampfes die Macht übernommen.

„Macht von Karen Duve“ weiterlesen

Die Terranauten von T.C.Boyle

In Die Terranauten beschäftigt sich T.C.Boyle mit einem modernen Entwurf der Arche: Acht Menschen sollen zwei Jahre lang autark in einer künstlichen Biosphäre leben. Alles Notwendige bis hin zur Atemluft erzeugt das System selbst. Ihre Nahrung müssen die Probanden eigenhändig anbauen, denn während dieser zwei Jahre kommt in dieses geschlossene System nichts rein und nichts raus. Welche Herausforderungen solche Umstände an die Bewohner – die Terranauten – einer künstlichen kleinen Welt stellen, dem geht T.C.Boyle auf die Spur. Wie leben die Terranauten miteinander und welche Konflikte entstehen unter diesen Gegebenheiten? Eine spannende Frage, besonders dann, wenn ein Autor sie literarisch behandelt. Und wenn dies dann auch noch T.C.Boyle ist, steigt die Neugierde auf dieses Buch.

„Die Terranauten von T.C.Boyle“ weiterlesen

Willkommen in Night Vale von J. Fink und J. Cranor

Der Roman Willkommen in Night Vale entstand aus einer äußerst erfolgreichen Podcast-Produktion von Joseph Fink und Jeffrey Cranor. Die Autoren hatten bereits 40 Folgen veröffentlicht, als sie sich zu dem Buchprojekt entschlossen. Sie hätten das nicht tun müssen. Sie haben es aber getan. Und das ist gut so. Andernfalls wäre mir eine Menge Lesefreude entgangen. Sicher? Ganz sicher.

„Willkommen in Night Vale von J. Fink und J. Cranor“ weiterlesen

Ein Leben mehr von Jocelyne Saucier

In Ein Leben mehr erzählt die kanadische Autorin Jocelyne Saucier die erstaunliche Geschichte gleich mehrerer Menschen. Da sind die drei alten Männer, die Fotografin, die beiden Kiffer und die Tante, deren Leben zusammentrifft und sich bald nur noch um die Vergangenheit dreht. Für zwei von ihnen beginnt dadurch eine ungeahnte Zukunft, einige geraten ins Hintertreffen und eine von ihnen findet eine neue Lebensaufgabe. Man muss wohl in New Brunswick geboren sein, um so eine wundersame Geschichte zu erfinden. „Ein Leben mehr von Jocelyne Saucier“ weiterlesen

Heute koch ich, morgen brat ich von Stevan Paul

Heute koch ich, morgen brat ich trägt den Untertitel Märchenhafte Rezepte und folgt damit einem ungewöhnlichen Konzept. Das Kochbuch ist ein Gemeinschaftswerk von Stevan Paul (Koch und mehr), Daniela Haug (Fotografin), Tanja Trific (Styling) und Anja Laukemper (Grafik und Konzept). Alle gemeinsam packen ihren Zauberstab aus und verwandeln die schnöde deutsche Küche in ein Märchenschloss, aus dem zauberhafte Gerichte den Töpfen und Pfannen entsteigen.

„Heute koch ich, morgen brat ich von Stevan Paul“ weiterlesen

zu lieben und zu sterben von Andrea Molesini

Mit dem Roman zu lieben und zu sterben legt der Autor Andreas Molesini erstmals ein Werk für Erwachsene vor. Bisher schrieb und übersetzte er Kinderbücher. Thematisch kann der Kontrast nicht stärker sein, handelt zu lieben und zu sterben doch mitten im ersten Weltkrieg in dem kleinen Dorf Refrontolo in Italien. Dort befindet sich die Villa Spada, die in Kriegszeiten von den feindlichen Truppen besetzt ist. Wer in diesem Buch jetzt erwartet, der Autor habe es nötig, den Leser durch Gräueltaten zu fesseln, liegt falsch. Andrea Molesinis Sprachkunst ist viel zu fein, um so etwas nötig zu haben. Er schafft es, ganz andere Aspekte von Krieg in den Vordergrund zu stellen.

„zu lieben und zu sterben von Andrea Molesini“ weiterlesen

Swamplandia von Karen Russell

Swamplandia ist eine Touristenattraktion auf einer kleinen Sumpfinsel im amerikanischen Bundesstaat Florida. Diesen Ort hat die Autorin Karen Russell als Setting für ihren ersten Roman ausgewählt. Ob er wirklich existiert oder frei erfunden ist, lässt sich nur erraten. Swamplandia gehört der Familie Bigtree. Angeführt vom Vater, den alle den Chief nennen, lockt dieser Park über viele Jahre reichlich Touristen an. Sie kommen, um die Alligator-Show zu sehen, deren Protagonistin die Mutter, Hilola Bigtree, ist. Sie stürzt sich Abend für Abend in das Becken, in dem es von Alligatoren jeder Größe nur so wimmelt. Bis sie im Alter von 37 Jahren auf tragische Weise verstirbt.

„Swamplandia von Karen Russell“ weiterlesen

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki ist der erste Roman von Haruki Murakami, der mir in die Hände fällt. Bisher sah ich es als Leselücke an, noch kein Buch dieses famosen japanischen Schriftstellers gelesen zu haben. Die Gestaltung des Covers ist gleichzeitig schrill und altmodisch mit dem Hartplastikeinband, der dem schwarzweißen Buchdeckel seine Farbe verleiht. Eine hübsche Umweltsünde, die der Dumont Verlag 2014 begeht. Und natürlich eine direkte Anspielung an den farblosen Herrn Tazaki, den ich auf den folgenden Seiten kennenlerne.

„Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami“ weiterlesen

Hart auf hart von T.C. Boyle

Hart auf hart von T.C. Boyle lese ich sicherheitshalber zwei Mal hintereinander, bevor ich diese Rezension verfasse. Es kommt öfter vor, dass ich nach dem letzten Satz eines Boylschen Werkes gleich mit dem ersten wieder anfange. Bisher geschah das aber immer aus reiner Begeisterung für den jeweiligen Roman. Bei Hart auf hart gibt es dafür einen anderen Grund: Ratlosigkeit. Das neue Buch von T.C. Boyle ist für mich nicht rund.

„Hart auf hart von T.C. Boyle“ weiterlesen

Buchtrailer zu Hart auf hart von T.C. Boyle

Am 2. Februar erscheint Hart auf hart, der neue Roman von T.C. Boyle, wie gewohnt im Hanser Verlag. Als leidenschaftlicher Fan dieses Autors habe ich das Buch bereits gelesen. Mit der Rezension muss ich mich jedoch noch zurückhalten, bis es offiziell erscheint. Nur so viel möchte ich schon dazu sagen: Als Boyle-Fan bin ich enttäuscht. In dem folgenden Buchtrailer zu Hart auf hart gibt T.C. Boyle schonungslos zu, dass er eine für ihn ganz neue Lesergruppe erreichen möchte, nämlich die Masse. Ich persönlich glaube, er wird dieses Ziel nicht erreichen. Denn dafür müsste er sich gänzlich untreu werden, was er trotz aller Zielsetzungen und Bemühungen nicht geschafft hat. Auch in Hart auf hart steckt die Boylsche Seele, wenn auch mit einem gewollt publikumswirksamen Konzept.

Zur Buchpräsentation von Hart auf hart im Hanser Verlag.

Mit herzlichem Dank an die Schloss-Buchhandlung in Herborn, die diesen Beitrag möglich machte.